Politik : Nur Sieger

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Von Robert Von Rimscha

und Cordula Eubel

Das Duell ist die Botschaft. Auf diese Formel lässt sich bringen, was am Montag im Umfeld von Kanzlerkandidat Edmund Stoiber gesagt wurde. Nach dem Abdruck des 90-minütigen Streitgesprächs zwischen Gerhard Schröder und Stoiber in „Bild am Sonntag“ und „Bild“ ist der Wahlkampfmanager des Unions-Kandidaten, Michael Spreng, zufrieden. „Die Alternative Stoiber wird zur Normalität“, sagte Spreng am Montag dem Tagesspiegel. Sein SPD-Pendant, Chef-Wahlkampfmanager Matthias Machnig, meinte dazu: „Es bleibt aber der Gegensatz zwischen einem Regierungschef und den Oppositionsgebärden eines Herausforderers aus der Provinz.“

Wichtiger als der Sieg im Detail sei es, so Spreng, dass nun in der Öffentlichkeit der Eindruck „absoluter Gleichheit“ entstehe. „Die Hauptbotschaft war: Der alte und der neue Bundeskanzler sind auf einem Foto.“ Schröder habe sich eben nicht wie etliche seiner Vorgänger einem direkten Schlagabtausch entzogen. „Gerade für die Bevölkerung ist die psychologische Botschaft vor allem, dass beide gemeinsam auftreten.“ Bei den Inhalten sieht Spreng Vorteile Stoibers vor allem in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Der Chefberater des Kandidaten sagt aber ganz offen, er wolle jetzt nicht den Propagandisten spielen und von einem Sieg des bayerischen Ministerpräsidenten sprechen. „Beide haben ihre zentralen Botschaften rübergebracht.“ Spreng geht nun „sehr optimistisch“ in die Fernsehduelle. Stoiber habe eine „sehr gute Figur“ gemacht. Allerdings erfordere das Medium TV „klare“ und „knappere Botschaften“.

In der SPD-Parteizentrale herrschte am Montag Zufriedenheit mit dem Ausgang des Print-Duells. Der Kanzler habe klar gemacht, was er verteidige, sagte SPD-Generalsekretär Franz Müntefering – und sein Herausforderer habe sich als „unglaubwürdig“ präsentiert. Das Duell habe gezeigt, „wie sehr Stoiber bemüht ist, im Bereich soziale Gerechtigkeit zu punkten“, räumte Müntefering am Montag ein. „Er meint es aber keineswegs ernst.“ Sein Fazit: „Stoiber ist ein zweitklassiger Oppositionspolitiker.“ In Schröders Umfeld hieß es, bei jenen, die vor Ort waren, habe der Eindruck vorgeherrscht, der Kanzler sei der klare Sieger. Stoiber habe zeitweise angeschlagen gewirkt. Nun müsse man aufpassen, dass aus den Duell-Formaten nicht „der Dampf raus“ sei, ehe die eigentlich wählerwirksamen Fernseh-Duelle überhaupt begännen. Nach dem Duell ist für Kampa-Chef Machnig klar: „Vorteil Schröder“. Der Kanzler sei schlagfertiger und „als Regierungschef aufgetreten, der alle wesentlichen Themen besser beherrscht“.

Für Joschka Fischer hat das Duell gezeigt, dass eine große Koalition „keine Alternative“ für Deutschland sei. „Die Ödnis des Streitgesprächs“ habe dies belegt. Ähnliche Kritik äußerte FDP-Chef Westerwelle. „Die Enden der Wurst sind sich sehr nah. Mit anderen Worten: Die beiden sind sich ungeheuer ähnlich geworden“, sagte Westerwelle. „In weiten Teilen“ habe er das Gespräch von „zwei Sozialdemokraten“ gelesen.

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