Obamas Auslandsreise : Wahlkampf in Afghanistan

Barack Obama will mit dem Besuch am Hindukusch seine Reputation als Außenpolitiker stärken. In den USA hat seine Reise eine Kontroverse mit seinem Gegner John McCain ausgelöst.

Christoph von Marschall

WashingtonDie Kampagne Barack Obamas hatte aus Sicherheitsgründen ein großes Geheimnis darum gemacht. Aber als die Nachricht am Samstagmorgen um die Welt ging, dass der Präsidentschaftsbewerber der US-Demokraten zu seinem ersten Besuch in Afghanistan auf dem US-Stützpunkt Bagram bei Kabul gelandet sei, war das keine Überraschung. Er wird am Sonntag wohl auch noch den US-Truppen im Irak einen Besuch abstatten, ehe seine Reise in das offiziell angekündigte Programm im Nahen Osten und Europa übergeht. Im Irak ist Obama bereits einmal gewesen, zu Jahresbeginn 2006. Sein republikanischer Gegner hat das Land dagegen schon acht Mal besucht und Obama vorgeworfen, er solle sich erst mal einen persönlichen Eindruck verschaffen, ehe er seine Irakpolitik formuliere und Abzugspläne verkünde.

Laut CNN hatte Obama Washington bereits am Donnerstagabend verlassen und war zunächst nach Kuwait geflogen, wo er am Freitag mit US-Soldaten zusammentraf. „Ich möchte mir ein Bild von der Lage machen, von unseren Kommandeuren hören, was ihre Empfehlungen für Afghanistan und für Bagdad sind, und unseren Truppen für ihren Dienst danken“, sagte Obama vor dem Abflug.

In den USA hat Obamas Reise eine Kontroverse mit seinem Gegner John McCain ausgelöst. Nie zuvor hat ein Kandidat das Land mitten im Wahlkampf für mehr als eine Woche verlassen, um durch die Welt zu reisen. Obama will damit seine Reputation als Außenpolitiker heben, der Amerikas Ansehen in der Welt wiederherstellen kann, nachdem Präsident George W. Bush es schwer beschädigt habe. Die Außen- und Sicherheitspolitik ist das Feld, auf dem McCain weit mehr Ansehen und Vertrauen der Wähler genießt.

McCains Berater werfen Obama vor, er inszeniere seine Reise wie die eines gewählten Präsidenten. Er wolle sich mit den Regierungschefs wichtiger Verbündeter zeigen, US-Soldaten besuchen und in Berlin eine Grundsatzrede zur künftigen Außenpolitik halten. „Gewiss wünschen die Amerikaner, dass ihr Präsident beliebt ist in der Welt. Aber sie wollen nicht den Präsidenten der Europäer wählen“, höhnt Vin Weber, ein Wahlkampfstratege McCains.

Obamas Sprecher behaupten dagegen: „Dies ist keine Wahlkampfreise.“ Der Augenschein widerlegt sie. Die ganze Planung ist darauf ausgelegt, Eindruck auf die Wähler in den USA zu machen. Obama lässt nur amerikanische Journalisten in das Medienflugzeug, das am Sonntagabend in Chicago abfliegt. Diese Begleitpresse wird am Montag im Nahen Osten mit ihm zusammentreffen und ihn dann weiter nach Berlin, Paris und London begleiten.

Unterdessen hat Präsident Bush seine Irakpolitik in einem entscheidenden Punkt an Obamas Forderungen angenähert. Er ist nun bereit zu einem Zeitplan, wie lange noch wie viele US-Soldaten im Irak bleiben sollen. Diesen Schwenk hat die Regierung Maliki in Bagdad erzwungen. Sie fordert einen Zeitplan für die Präsenz ausländischer Truppen im Irak. Bisher hatte Bush den verweigert. Er sagte, man müsse das von den Fortschritten bei der Stabilisierung abhängig machen. Die Details des Zeitplans sollen in den kommenden Wochen ausgearbeitet werden.

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