Politik : Ökumenischer Kirchentag: Kein gemeinsames Abendmahl

apa

Ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten wird es nach Einschätzung des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, in absehbarer Zeit nicht geben. Auch beim ersten ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin sei mit einem solchen Ereignis nicht zu rechnen, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Wenn in theologischen Fragen ein Konsens erzielt werde, der sich dann als nicht haltbar erweise, gebe es eine Riesen-Enttäuschung. In den Gesprächen der großen Kirchen über theologische Fragen sei deshalb eine "Seriosität bis zum Äußersten" erforderlich.

Unterdessen feierten am Sonntag in Mainz mehrere tausend Menschen den kürzlich von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal erhobenen Bischof. Die Begrüßungsfeier mit Festgottesdienst im Mainzer Dom und anschließendem Festakt war der erste öffentliche Auftritt Lehmanns nach der Kardinalserhebung in Rom. Bei der Begrüßungsfeier, zu der sich ranghohe Persönlichkeiten aus Kirche und Politik gesellten, wurde Lehmann die Ehrenbürgerwürde der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt verliehen. Bereits am Mittag hatten in allen Pfarreien des Bistums für 15 Minuten zu Ehren des neuen Kardinals die Kirchenglocken geläutet.

In seiner Ansprache nannte Lehmann seine Erhebung zum Kardinal eine noble und herausragende Geste des Papstes, für die er dankbar sei. Zu der Begrüßungsfeier waren neben Kardinälen und Bischöfen der katholischen Kirche auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), sein hessischer Amtskollege Roland Koch (CDU), der thüringische Regierungschef Bernhard Vogel (CDU), die Parteivorsitzende der CDU, Angela Merkel, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer, gekommen. In zahlreichen Redebeiträgen wurde Lehmann gewürdigt als herausragender Kirchenführer, Theologe und Seelsorger, als Wegbereiter der Ökumene, als gefragter Gesprächspartner von Politik, Wirtschaft und Kultur und als mutige Persönlichkeit von großer Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft.

Beck betonte, aus Rheinland-Pfalz und aus Deutschland sei der Name Lehmann nicht mehr wegzudenken. Koch bescheinigte dem Mainzer Bischof Kontaktfähigkeit und Bodenhaftung. Der EKD-Ratsvorsitzende Kock sagte, mit Lehmann sei ein Mann zum Kardinal erhoben worden, der seit Jahrzehnten die ökumenische Sache mit eben soviel Mut wie Klugheit vertreten habe. Der Prager Erzbischof und Vorsitzende des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen Kardinal Miloslav Vlk, der in Mainz die Festansprache hielt, hob hervor, Lehmann habe sich der Aufgabe verschrieben, den christlichen Glauben in und für Europa zu bewahren.

Der Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky hat unterdessen bei der Eröffnung der diesjährigen Misereor-Fastenaktion dazu aufgerufen, den ärmsten Ländern Beistand für einen notwendigen Wandel gesellschaftlicher Strukturen und Rahmenbedingungen zu geben. "Hungernde brauchen nicht nur Brot, das schnell verzehrt ist. Sie benötigen auch Handlungsspielraum, etwa durch Schuldenerlass und gerechte internationale Handelsstrukturen", sagte er während einer Messe in der Berliner St. Hedwigskathedrale, an der unter anderem auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse teilnahm. Sterzinsky forderte ferner zu einem verantwortlicheren Umgang mit Geld in Deutschland auf. Angesichts globaler wirtschafts- und finanzpolitischer Probleme sollte die Frage gestellt werden, ob es bei Geldanlagen ausschließlich um den Profit gehe oder ob nicht auch ethische und ökologische Gesichtspunkte berücksichtigt werden müssten.

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