Ölarbeiter-Streik eskaliert : Blutige Gewalt in Kasachstan reißt nicht ab

Blutige Zusammenstöße zwischen streikenden Ölarbeitern und der Polizei erschüttern Kasaschstan. Es gibt Tote und Verletzte. Die EU ist besorgt, doch Präsident Nasarbajew greift zu harten Methoden.

Die Regierung in Kasachstan geht mit aller Härte gegen die streikenden und randalierenden Ölarbeiter vor. Foto: dpa
Die Regierung in Kasachstan geht mit aller Härte gegen die streikenden und randalierenden Ölarbeiter vor.Foto: dpa

Das an Rohstoffen reiche Kasachstan in Zentralasien wird in Folge von Streiks in der Ölindustrie von blutigen Unruhen erschüttert. Seit Beginn der Zusammenstöße seien 13 Menschen ums Leben gekommen, 86 verletzt worden, sagte Generalstaatsanwalt Nurdaulet Suindikow am Sonntag nach Medienangaben in der Hauptstadt Astana. Menschenrechtler sprachen hingegen von mehr als 70 Toten und 500 Verletzten. Die Europäische Union zeigte sich besorgt.

Randalierende Ölarbeiter und ihre Unterstützer warfen in der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik selbst gebaute Brandsätze, zündeten Autos und Gebäude an. Die Polizei feuerte in die aufgebrachte Menge. Präsident Nursultan Nasarbajew verhängte den Ausnahmezustand über die Stadt Schanaosen im Südwesten des Landes. Mehrere russische Journalisten wurden über Stunden von der Polizei festgehalten.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte die kasachische Regierung auf, den sozialen Dialog mit den Ölarbeitern zu suchen, die seit Monaten für höhere Löhne streiken. Nasarbajew aber kündigte harte Strafen gegen die „Rowdys“ an. Der Präsident setzte eine Untersuchungskommission ein, die die Zwischenfälle aufklären soll.

Kasachstan hatte 2010 den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) inne. Kritiker werfen Nasarbajew Unterdrückung Andersdenkender und Menschenrechtsverletzungen vor.

Im Ort Schetpe blockierte eine aufgebrachte Menge eine Bahnlinie und setzte eine Diesel-Lokomotive in Brand. Die Polizei ging mit einem Großaufgebot vor, nachdem die wütende Menge auch Autos anzündete und Scheiben einschlug. Zwölf Menschen seien mit Schusswunden in Kliniken gebracht worden. Die Leute hätten ihre Solidarität mit den streikenden Ölarbeitern zeigen wollen, wurde ein Demonstrant zitiert.

Die Unruhen waren am Freitag in Schanaosen ausgebrochen, als Jugendliche und Arbeiter am Unabhängigkeitstag eine Festbühne verwüsteten und auf Polizisten losgingen. Die Menge zündete ein Verwaltungsgebäude, mehrere Hotels und Autos an. Dichte Rauchschwaden lagen über der Stadt mit 60 000 Einwohnern, wie Internetvideos zeigten. Nach Angaben der Opposition hatten die Sicherheitskräfte die Arbeiter provoziert. In der Stadt gilt nun auch eine nächtliche Ausgangssperre. (dpa)

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