Politik : Ohrfeige für Paris

Sozialisten und Rechtsextreme gewinnen die Regionalwahlen

Sabine Heimgärtner[Paris]

Wie erwartet sind die vorläufigen Ergebnisse der Regionalwahlen in Frankreich – in etwa mit den deutschen Landtagswahlen vergleichbar – zur Ohrfeige für die seit zwei Jahren amtierende nationale Regierung von Premierminister Jean-Pierre Raffarin und Staatspräsident Jacques Chirac geworden. Überraschend war allerdings, dass sich bei der ersten Wahlrunde am Sonntag die Sozialisten als die vorläufigen Sieger präsentieren konnten. Sie erreichten in 22 Regionen ein Gesamtergebnis von 40,5 Prozent. Die Konservativen lagen nach Schließung der Wahllokale bei 34,5 Prozent.

Die ursprünglich erwarteten Sieger des ersten Wahlgangs, extremlinks und extremrechts, konnten nur auf der Seite des Rechtsnationalisten von Jean-Marie Le Pen punkten. Sie erhielten immerhin 17,5 Prozent. Unbedeutend blieben mit fünf Prozent die extrem Linken, eine gemeinsame Liste trotzkistisch-kommunistischer Splitterparteien.

Zu diesem ersten wichtigen Urnengang seit den Präsidentschaftswahlen vor knapp zwei Jahren waren rund 42 Millionen Franzosen aufgerufen. Er galt – mit fast der Hälfte der amtierenden Minister der Pariser Zentralregierung als Kandidaten – als Stimmungstest für die Regierung Raffarin/Chirac. Ihr Mandat im Frühjahr 2002 hatten die beiden Politiker eher einer „Panne" zu verdanken. Die Katastrophe, die den Konservativen damals zur absoluten Mehrheit verhalf, hieß Jean-Marie Le Pen, der rechtsextreme Führer des nationalistischen Front National. Der´ hatte es beim ersten Wahlgang geschafft, den Sozialisten Lionel Jospin aus dem Feld zu drängen. Er trat schließlich in der Stichwahl gegen Jacques Chirac an, der zwangsläufig als absoluter Sieger hervorging.

Selbst in seiner Heimatregion, dem südwestfranzösischen Gebiet Poitou-Charentes, hat Regierungschef Raffarin haushoch verloren und musste der Sozialistin Segolène Royal, Ministerin unter Jospin und Lebensgefährtin des sozialistischen Parteichefs Francois Hollande, das Feld überlassen.

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