Olympischer Fackellauf : Ärger um chinesische Eliteeinheit

Sie wirken wie aus dem Film Matrix - aber sie tragen blau-weiße Trainingsanzüge. Die chinesischen "Fackelwächter" begleiten das olympische Feuer auf dem Lauf über die ganze Welt. In London gingen die Polizeibeamten ziemlich aggressiv vor, was ihnen Kritik als "Schläger" einbrachte. Das Internationale Olympische Komitee kann die Aufregung darüber absolut nicht verstehen.

Chinese Guard
Die chinesischen "Fackelwächter" begleiten das olympische Feuer auf dem Lauf über die ganze Welt. Mehrmals sind sie bereits durch...Foto: AFP

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat Chinas Einsatz eigener Wächter beim weltweiten olympischen Fackellauf verteidigt. Die Eskorte für den Fackellauf werde immer vom Gastgeberland der Olympischen Spiele gestellt, sagte IOC-Sprecherin Giselle Davies am Mittwoch. "Das ist hundertprozentig normal und es ist nichts Ungewöhnliches daran." Nach dem Fackellauf am Sonntag in London war Kritik am aggressiven Verhalten der chinesischen Fackel-Wächter laut geworden.

Ihre blau-weißen Anzüge sind allgegenwärtig bei der Tour der olympischen Fackel um die ganze Welt, aber dennoch herrscht Ungewissheit darüber, wer die chinesischen Wächter der Flamme eigentlich sind. Vom Organisationskomitee der Olympischen Spiele in Peking ist lediglich zu hören, die von ihm angestellten Sicherheitsbeamten seien für den Schutz der Flamme ausgebildet worden. Zu der Vermutung, dass es sich bei den Männern mit den dunklen Sonnenbrillen um Kräfte der Bewaffneten Volkspolizei handelt, sagte Sprecher Sun Weide lediglich, er spreche lieber von einer "Sicherheitstruppe". Die Bewaffnete Volkspolizei, ein Ableger der chinesischen Armee, ist für die innere Sicherheit und die Niederschlagung von Unruhen zuständig.

Wahrscheinlich chinesische Eliteeinheit

Es handele sich wahrscheinlich um Mitglieder einer chinesischen Eliteeinheit, hieß es aus Polizeikreisen in Paris, wo der Fackellauf am Montag wegen wiederholter Störungen durch anti-chinesische Demonstranten vorzeitig abgebrochen worden war. Den Fackelläufern in der französischen Hauptstadt wollten die Chinesen verbieten, einen Anstecker mit den Olympischen Ringen und der Aufschrift "Für eine bessere Welt" zu tragen. Damit demonstrierten die Athleten für die Achtung der Menschenrechte in China. Die mehrfache Unterbrechung des Fackellaufs gehe auf das Konto der chinesischen Wächter, betonten die Pariser Behörden.

Indien und Australien, wo der Fackellauf in diesem Monat fortgesetzt wird, hatten sich gegen den Einsatz der chinesischen Polizeibeamten in ihrem Land ausgesprochen. Bei den Wächtern handelt es sich nach Angaben chinesischer Staatsmedien um ausgesuchte, speziell trainierte Beamte einer paramilitärischen Polizeitruppe.

Ein britischer Sender hatte berichtet, der Chef der Olympischen Spiele 2012 in London, Sebastian Coe, habe die chinesischen Einsatzkräfte als "Schläger" bezeichnet. Sie hätten beim Fackellauf drei Mal versucht, ihn beiseite zu drängen. Die frühere britische TV-Moderatorin Konnie Huq, die beim Lauf in London eine Zeit lang die Olympische Fackel trug, sprach gegenüber der Zeitung "The Times" von "Handgemengen" zwischen den chinesischen Einsatzkräften und britischen Polizisten. Die Chinesen seien ihr "sehr roboterhaft" vorgekommen. "Sie schnauzten Befehle wie 'lauf', 'stop' und ich dachte mir, 'wer sind diese Leute'", berichtete Huq demnach. Am Mittwoch sollte der Fackellauf in San Francisco fortgesetzt werden. Auch hier wurden anti-chinesische Proteste erwartet.  (mhz/AFP)

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