Politik : Operation Energie

Wie eine Hilfsorganisation die Stromzufuhr eines nordkoreanischen Krankenhauses sichern will

Ruth Ciesinger

Über Nordkoreas Atomwaffen mag weiter gerätselt werden – kein Zweifel aber besteht am Energiemangel, unter dem ganz besonders die Landbevölkerung leidet. Nach einer UN-Studie ist seit 1989 die Energieversorgung in Nordkorea um zwei Drittel zurückgegangen. Die Gründe: Die technische Hilfe sowjetischer Bruderstaaten fiel weg, und Mitte der 90er Jahre wurde ein Importboykott verhängt. Um den Mangel wenigstens lokal zu lindern, greifen Hilfsorganisationen auf erneuerbare Energien zurück.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kasparick ist gerade mit dem Gründer der Hilfsorganisation „Grünhelme“, Rupert Neudeck, durch Nordkorea gereist. In der Stadt Haejo südlich von Pjöngjang will die Hilfsorganisation für ein Krankenhaus die regelmäßige Energiezufuhr mit Biomasse und Sonnenkollektoren sichern. Zurzeit gibt es – wenn überhaupt – zwei Stunden Strom am Tag, die Räume bleiben auch bei 20 Grad minus unbeheizt, operiert wird im Schein einer 75-Watt-Glühbirne. Kasparick ist zuversichtlich, dass sich das ändern lässt.

Nach dem Vorbild der Schweizer Hilfsorganisation „Adra“, die mit einem nordkoreanischen Ingenieur eine simple Biogas-Anlage für Bauernhöfe entwickelt hat, könnten die Abfälle des Krankenhauses „eine stabile Energiequelle“ bilden, sagt er. Auf dem Dach der Klinik soll eine Photovoltaik-Anlage installiert werden. Die Kosten für das Projekt würden die „Grünhelme“ tragen, Kasparick rechnet mit bis zu maximal 50 000 Euro.

Was noch fehlt, ist die Genehmigung durch die Behörden. Zwei Aspekte sind dabei interessant: Zum einen wollen die „Grünhelme“, dass ihre drei bis vier Mitarbeiter, die das Projekt betreuen würden, sich in der Region frei bewegen können – ohne beim zuständigen Parteikader über jeden Schritt sofort Rechenschaft ablegen zu müssen. Zum anderen bringt eine eigenständige Energieversorgung etwas Autonomie von der Zentralregierung. Und das ist nicht unbedingt erwünscht. Weil der Mangel im Land aber so groß ist, geht Kasparick davon aus, dass der Plan der „Grünhelme“ genehmigt wird.

In der Tat: Nordkoreas Kohle- und Wasserkraftwerke können mit ihren veralteten Generatoren nur noch zu bestimmten Zeiten am Tag arbeiten. Brennstoffe und Holz sind absolute Mangelware, die Menschen frieren. Eine kostenlose Hilfe würde deshalb mit Sicherheit nicht abgelehnt, glaubt auch Hanns Günther Hilpert von der Stiftung für Wissenschaft und Politik. Allerdings hält er die Nutzung von erneuerbaren Energien nicht für die Lösung des koreanischen Problems an sich. Um kurzfristig zu helfen, müssten die alten, herkömmlichen Kraftwerke auf Vordermann gebracht werden. Der Aufbau beispielsweise von Windrädern und neuen Leitungssystemen wäre gar nicht zu bezahlen.

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