Organisierte Kriminalität in Deutschland : Der Schaden beträgt 424 Millionen Euro

Im aktuellen Lagebericht zur Organisierten Kriminalität in Deutschland finden sich insgesamt 8675 Tatverdächtige. Aus welchen Ländern stammen sie und wie stark ist Berlin betroffen?

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Einsatzkräfte der Bundespolizei im Einsatz. (Symbolbild)
Einsatzkräfte der Bundespolizei im Einsatz. (Symbolbild)Foto: dpa

Berlin ist von der Organisierten Kriminalität (OK) stärker betroffen als die meisten Bundesländer. Im vergangenen Jahr waren 53 einschlägige Verfahren bei lokalen Behörden, dem Bundeskriminalamt, der Bundespolizei und dem Zoll anhängig. Das ist im deutschlandweiten Vergleich Platz vier. Vor Berlin liegen nur Nordrhein-Westfalen mit 107 Verfahren, Bayern mit 70 und Niedersachsen mit 69. Das geht aus dem „Bundeslagebild Organisierte Kriminalität 2015“ hervor, das Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und BKA-Präsident Holger Münch in Wiesbaden vorgestellt haben. Für Berlin hat sich damit wenig geändert. 2014 führten die lokalen und die Bundesbehörden insgesamt 57 OK-Verfahren in der Hauptstadt. Berlin stand in der Statistik ebenfalls auf dem vierten Platz. Bundesweit wurden im vergangenen Jahr 566 Verfahren geführt (2014: 571).

Von den 8675 Tatverdächtigen sind mehr als ein Drittel Deutsche (3007). Die Zahl der tatverdächtigen Migranten mit feststellbarer Staatsangehörigkeit beträgt 5523. Die größten Gruppen stellen Litauer (990), Türken (841) und Polen (445). Die Litauer sind dabei ein Sonderfall, sie spezialisieren sich auf ein Delikt. Die Täter versuchen mit Schockanrufen bei älteren Menschen, viele stammen aus dem russischen Sprachraum, Geld zu machen. Behauptet wird zum Beispiel, ein Verwandter des Angerufenen brauche dringend finanzielle Hilfe. Das Geld hole ein Bote ab. Auf den „russischen Enkeltrick“, wie Ermittler die Masche nennen, fallen immer wieder Senioren herein.

Bei 145 Tatverdächtigen ist die Staatsbürgerschaft ungeklärt

Unter den arabischen Tatverdächtigen fallen Syrer (132) und Libanesen (104) zahlenmäßig auf. Bei 145 Tatverdächtigen ist die Staatsbürgerschaft ungeklärt oder sie gelten als staatenlos. In der Organisierten Kriminalität sind neben den deutschen Tatverdächtigen Migranten aus 104 Staaten aktiv.

Im Lagebild gibt es spezielle Hinweise zu ethnisch geprägten OK-Banden. Das BKA nennt unter anderem 13 „syrisch dominierte Gruppierungen“ und elf libanesische. Bei den Syrern dominiert die Schleuserkriminalität (zehn Banden), die anderen drei werden dem Rauschgifthandel und -schmuggel zugeordnet. Den syrisch dominierten Gruppierungen komme „aufgrund der gestiegenen Zuwanderung syrischer Flüchtlinge und der damit verbundenen Schleuserproblematik wachsende Bedeutung zu“, schreibt das BKA. Im Fall der libanesischen Kriminellen heißt es, ihr „Aktivitätsfeld“ habe „überwiegend im Bereich des Rauschgifthandels/-schmuggels“ gelegen. Diesem Milieu rechnet das BKA sieben der elf libanesischen Banden zu. Dem Rest wird unter anderem Geldwäsche und Schleuserkriminalität bescheinigt.

Den Schaden, den die Organisierte Kriminalität 2015 anrichtete, beziffert das BKA auf 424 Millionen Euro. Ermittelt wurde zudem, dass die „Erträge“ der Kriminellen mindestens 230 Millionen Euro ausmachten.

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