ORTSTERMIN : Die Grünen und ihr Wachstum

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Hauptsache grün. Steinmeier und Fücks sind sich einig über die Wirtschaft. Foto: dpa
Hauptsache grün. Steinmeier und Fücks sind sich einig über die Wirtschaft. Foto: dpaFoto: dpa

Manfred Güllner wäre wieder einmal entsetzt gewesen über die SPD, wenn er die Präsentation des jüngsten Buches des Grünen-Vordenkers Ralf Fücks in Berlin besucht hätte. Der Forsa-Demoskop ist ein Kritiker der Ökopartei und überzeugt, dass sich die SPD ruiniert, wenn sie sich grünen Positionen auch nur annähert. Güllner jedenfalls hätte es nicht gefallen, dass SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier das Werk „Intelligent wachsen. Die grüne Revolution“ des Chefs der Heinrich-Böll-Stiftung als provokanten und wichtigen Beitrag zur ökologischen Zukunft der Industriegesellschaft pries.

Fücks bricht in dem Werk mit lieb gewonnen und emotional tief verankerten Glaubenssätzen seiner Partei, wonach es fest definierte Grenzen des Wachstums gebe und das Heil des Planeten in der strengen Begrenzung wirtschaftlicher Produktivität und bestimmter Formen privaten Konsums liege. Wer geglaubt hatte, Steinmeier würde seine Partei scharf gegen diese Thesen abgrenzen, wurde enttäuscht: Stattdessen lobte er Fücks’ klares Bekenntnis zum – ökologisch gewendeten – Wachstum. Als einzigen Differenzpunkt zu den Grünen arbeitete der SPD-Politiker die Debatte über die Energiepreise heraus, in der die Grünen die ökologische Steuerungsfunktion betonen und die SPD den Verbrauchern Mehrwertsteuereinnahmen zurückgeben will. Immerhin warnte er mit der Handwerkerweisheit „Beim Schraubenanziehen wird es immer fester und dann plötzlich ganz locker“ vor einer Überforderung „innovativer“ Industriezweige.

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt ging nicht nur auf Distanz zu Steinmeiers Bekenntnis zu einem rot-grünen „Projekt“ – sie sprach mit deutlich weniger Emphase nur vom Ziel einer gemeinsamen „Regierung“. Auch zum neuen Buch hatte sie eine wichtige Mahnung parat. Die scharfe Abgrenzung Fücks’ von den Postmaterialisten, die sich nicht für die Erneuerung der Industriegesellschaft interessieren, missfiel ihr. Auch diese Gruppe sei nötig für „stabile Mehrheiten“, warnte sie. Womöglich provoziert der Grünen-Vordenker mit seinem Wachstumsbegriff die eigene Partei weit stärker als deren politischen Wunschpartner.

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