Politik : Pädagogenmangel: Verzweifelt gesucht

Susanne Vieth-Entus

In Berlin und Brandenburg herrscht schon jetzt in Fächern wie Informatik, Englisch und Französisch sowie im Berufsschul- und Sonderpädagogikbereich akuter Lehrermangel. Vor diesem Hintergrund reagieren die Bildungsministerien empfindlich auf Hessens Abwerbeaktion. Insbesondere die Tatsache, dass mitten im Schuljahr Lehrer abgezogen werden sollen, sei kaum verkraftbar, heißt es übereinstimmend in Berlin und Potsdam.

"Wir müssen uns darauf verständigen, dass so etwas sich nicht wiederholt", meinte gestern Martin Gorholt, der Sprecher des Brandenburger Bildungsministeriums. So kurzfristig könne man die Lücken an den betroffenen Schulen nicht stopfen - insbesondere nicht bei Mangelfächern. Allerdings räumt er ein, dass Brandenburg durch den starken Geburtenrückgang relativ flexibel sei. Da alle Pädagogen Zwei-Drittel-Stellen hätten, könne man Defizite oftmals schon durch Aufstockung auf volle Stellen beheben.

Berlin ist weniger flexibel. Ein aktuter Lehrermangel ist absehbar. Die neuen Lehrer-Bedarfszahlen weisen dies für die kommenden zehn Jahre klar aus. Noch weiß niemand, woher die rund 800 Lehrer kommen sollen, die jährlich eingestellt werden müssten, um der Pensionierungswelle zu begegnen.

Dramatisch ist die Situation etwa im Sonderschulbereich schon jetzt: Die Einrichtungen leiden unter akutem Mangel an ausgebildeten Lehrern. Zudem entsteht neuer Bedarf - etwa durch die flächendeckende Einführung von Frühenglisch oder durch die steigende Bedeutung des Informatikunterrichts. "Anzeigenaktionen wie die in Hessen lehnen wir ab", meint deshalb kategorisch der Sprecher der Schulverwaltung, Moritz Felgner. Angesprochen auf die von Brandenburg beklagten Abwanderungen märkischer Lehrer Richtung Berlin betont er, Berlin haben "nicht abgeworben, sondern eingestellt".

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