Pakistan : Vereiteltes Comeback

Pakistans Präsident Musharraf lässt Ex-Premier Sharif sofort nach seiner Rückkehr wieder abschieben.

Christine Möllhoff[Neu-Delhi]
Sharif
Rein und gleich wieder raus. Nawaz Sharif wurde nach seiner Rückkehr aus dem Exil innerhalb von nur vier Stunden wieder außer...Foto: AFP

Der Traum vom glanzvollen Comeback war schnell ausgeträumt. Nach sieben Jahren Exil wollte Ex-Premier Nawaz Sharif am Montag in einem Triumphzug nach Pakistan zurückkehren, um Staats- und Armeechef Pervez Musharraf herauszufordern. Doch Musharraf ließ ihn umgehend wieder außer Landes bringen. Noch auf dem Internationalen Flughafen von Islamabad wurde Sharif am Montag in der VIP-Lounge festgenommen und nur vier Stunden nach seiner Ankunft in einem Airbus wieder nach Saudi-Arabien ausgeflogen.

Musharrafs Angst vor dem populären Chef der Muslim-Liga war offenbar so groß, dass er sogar ein Urteil des Obersten Gerichtes missachtete. Das hatte im August entschieden, dass Sharif nach Pakistan zurückkehren darf. Für Musharraf kam dies einem Albtraum gleich. Die beiden Männer gelten als Feinde, seit Musharraf Sharif 1999 in einem unblutigen Putsch stürzte. Der Militärherrscher, der sich nun als Präsident zur Wiederwahl stellen muss, kämpft verzweifelt um die Macht. Sharif, glauben viele Kommentatoren, wäre sein gefährlichster Widersacher geworden. In Islamabad und anderen Städten kam es nach der Ausweisung von Sharif zu Krawallen und Unruhen. Anhänger Sharifs lieferten sich Schlachten mit Sicherheitskräften. Über Tote wurde aber nichts bekannt. Man befürchtete jedoch weitere Gewalt. Die Regierung hat massive Sicherheitsvorkehrungen ergriffen. Der Flughafen von Islamabad wurde großräumig abgesperrt, Kundgebungen waren verboten und hunderte Unterstützer von Sharif festgenommen worden.

Sharif war am Morgen um 9 Uhr 15 aus London in der Hauptstadt Islamabad eingetroffen, im Gefolge hatte er Parteifreunde und Journalisten. In einer Art Triumphzug wollte er dann einen Autokorso von Islamabad in seine Heimatstadt Lahore anführen. Er wurde aber nach der Ankunft festgenommen und zunächst in einem Hubschrauber in Richtung seiner Heimatprovinz Punjab geflogen. Der Hubschrauber drehte später bei und flog zurück nach Islamabad. Dort wurde Sharif in einen Airbus verfrachtet, um nach Saudi-Arabien zu fliegen.

Die Ausweisung Sharifs kam nicht überraschend. Nach mehreren Monaten im Gefängnis hatte er 2000 unter Vermittlung von Saudi-Arabien mit der Regierung ein Abkommen getroffen, wonach er für zehn Jahre im Exil bleibt, um eine lebenslange Haftstrafe zu vermeiden. Nicht nur das saudi-arabische Königshaus hatte ihn inständig gemahnt, sich an den Exil-Deal zu halten und von einer vorzeitigen Rückkehr abzusehen. Auch Pakistans Regierung hatte ihm kaum verhohlen mit Haft oder Deportation gedroht.

Die EU verurteilte die Abschiebung. Die Frage ist, wie die USA dazu stehen. Zwar drängt Washington seinen Schlüsselverbündeten im Antiterrorkampf, auf den Pfad der Demokratie zurückzukehren. Eine Machtübernahme durch Sharif und seine Muslim-Liga käme ihnen wohl wenig zupass. Sie setzen auf einen Machtpakt zwischen Musharraf und der früheren Regierungschefin Benazir Bhutto. Musharrafs Unterstützerpartei, die Pakistanische Muslim-Liga (Q), die eine Abspaltung von Sharifs Muslim-Liga (N) ist, hat allerdings Widerstand gegen einen Deal mit Bhutto angedroht.

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