Politik : Panzergeschäft mit Türkei: Entscheidung über Leopard II erst im kommenden Jahr

Thomas Seibert

Rot-Grün ist erst einmal aus dem Schneider: Der Bundesregierung bleibt eine Zerreißprobe wegen des umstrittenen Panzergeschäfts mit der Türkei erspart, denn Ankara hat die Entscheidung wegen der Wirtschaftskrise vertagt. Ankaras Beschaffungsentscheidung werde erst in einem Jahr fallen und nicht wie geplant Ende dieses Monats, hieß es am Mittwoch in Militärkreisen.

Zwar sollen die technischen Erprobungen der vier an der Ausschreibung für das 15- Milliarden-Mark-Geschäft beteiligten Panzer wie geplant abgeschlossen werden. Die politische Entscheidung darüber, ob die Türkei den deutschen Panzer Leopard-II oder lieber ein anderes Modell haben will, soll nun aber erst im Jahr 2002 fallen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die türkische Regierung die endgültige Beschlussfassung dann noch einmal bis nach der Bundestagswahl 2002 vertagt - in der Hoffnung, dass Berlin dann weniger Bedenken gegen einen Verkauf des Leopard an Ankara haben wird.

Zum Thema Online Spezial: Die Krise in der Türkei Als Beitrag zum neuen Sparkurs von Wirtschaftsminister Dervis will die türkische Armee bei Rüstungsprojekten 40 Milliarden Mark sparen. Die Verschiebung des Baus von 1000 modernen Kampfpanzern für rund 15 Milliarden Mark ist einer der größten Posten in diesem Streichkonzert, zu dem auch eine Reduzierung der Zahl neuer Kampfhubschrauber und der Verzicht auf einen Spionagesatelliten gehören.

Der Leopard-Hersteller, die Firma Krauss-Maffei-Wegmann in München, sieht in der Verschiebung der türkischen Beschaffungsentscheidung keinen Anlass, ihren Panzer zurückzuziehen. "Es ist ja nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben", sagte ein Firmensprecher am Mittwoch. "Der Leopard bleibt im Wettbewerb."

Für den Bau der 1000 neuen Kampfpanzer im Rahmen eines Joint Ventures sucht die Türkei einen ausländischen Partner; neben dem Leopard bewerben sich Panzer aus den USA, der Ukraine und aus Frankreich um den Zuschlag. Die Panzer werden seit dem vergangenen Jahr in der Türkei getestet; schon die Entsendung des Leopard-"Testpanzers" hatte vor zwei Jahren erhebliche Spannungen in der rot-grünen Koalition in Berlin ausgelöst.

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