• Papst-Entscheidung zur Tebartz-van Elst-Affäre: Der Papst macht den Geistlichen zum Bischof ohne Macht

Papst-Entscheidung zur Tebartz-van Elst-Affäre : Der Papst macht den Geistlichen zum Bischof ohne Macht

Der Papst spielt auf Zeit und schiebt die endgültige Entscheidung über den umstrittenen Bischof auf. Die Limburger Katholiken sind trotzdem froh darüber, dass Tebartz-van Elst zunächst nicht zurück kommt.

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Nachfolger und Vorgänger. Wolfgang Rösch (links) hat schon oft mit Tebartz-van Elst Messen zelebriert. Nun soll er dessen Amtsgeschäfte übernehmen.
Nachfolger und Vorgänger. Wolfgang Rösch (links) hat schon oft mit Tebartz-van Elst Messen zelebriert. Nun soll er dessen...Foto: dpa

In der Debatte um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat Papst Franziskus die Entscheidung aufgeschoben und den Bischof zunächst für einige Monate vom Dienst suspendiert. Seine Entscheidung ist kein Rauswurf, wie er so oft gefordert wurde, und auch keine Versetzung, sondern ein Zwischenbescheid. Franz Kaspar, der Generalvikar des Bistums, wurde entlassen.
In Limburg sei es „zu einer Situation gekommen, in welcher der Bischof seinen bischöflichen Dienst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben kann“, teilte das vatikanische Presseamt am Mittwoch mit. Die Deutsche Bischofskonferenz habe „eine Kommission zur eingehenden Prüfung im Hinblick auf den Bau des Bischofssitzes“ eingesetzt. In Erwartung der Ergebnisse und der „Vergewisserung der Verantwortlichkeiten“ halte es „der Heilige Stuhl für angeraten, Tebartz-van Elst eine Zeit außerhalb der Diözese zu gewähren“. Inoffiziell ist die Zeit für die Untersuchung auf zwei bis drei Monate angesetzt. Vermutlich wird sich der 53-jährige Limburger Bischof so lange in ein Kloster zurückziehen.

Der Wiesbadener Dekan Wolfgang Rösch soll Amtsgeschäfte führen

In der Übergangszeit soll der bisherige Wiesbadener Stadtdekan Wolfgang Rösch die Amtsgeschäfte führen. Er sollte ab 1. Januar 2014 sowieso das Amt des Generalvikars übernehmen. Diese Amtsübernahme hat Papst Franziskus nun mit sofortiger Wirkung vorgezogen.
Tebartz-van Elst steht seit Monaten in der Kritik. Ihm wird ein autoritärer Führungsstil und Geldverschwendung beim Bau einer 31 Millionen Euro teuren Bischofsresidenz vorgeworfen. Kontrollgremien im Bistum soll er ausgeschaltet haben. Auch hat die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen ihn einen Strafbefehl wegen eidesstattlicher Falschaussage in Zusammenhang mit einem Erste-Klasse-Flug nach Indien beantragt. Am Montag hatte der Bischof mit dem Papst gesprochen.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der scheidende Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, begrüßte die vatikanische Entscheidung. Mit ihr werde „ein Raum eröffnet, um zur inneren Ruhe zurückzufinden und eine neue Gesprächsbasis zu schaffen“. Etliche Bischöfe hatten sich zuletzt gewünscht, Papst Franziskus möge den Limburger Kollegen so schnell wie möglich entlassen, da die ganze Kirche unter der Debatte leide. Dass Franziskus die Entscheidung aufgeschoben hat, entspreche seiner Haltung, auch Sündern mit Barmherzigkeit zu begegnen, heißt es nun. Alois Glück, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, begrüßte, „dass vor der endgültigen Entscheidung eine sorgfältige Prüfung stattfindet“. Er wünscht sich eine solche Prüfung auch wenn es künftig wieder einmal darum geht, missliebige Theologen zu entlassen. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann kann sich jedoch nicht vorstellen, dass Tebartz-van Elst in seiner Diözese Bischof bleiben kann. Auch das Domkapitel Limburg selbst hält eine Rückkehr für unwahrscheinlich.

Es ist ungewöhnlich, dass der Papst direkt eingreift

In den Bistümern registrierte man mit Erstaunen, dass Papst Franziskus direkt in die Geschäfte des Limburger Bistums eingreift mit der Entscheidung, Wolfgang Rösch ab sofort zum Generalvikar und zum vorübergehenden Leiter des Bistums zu machen zu machen. So etwas gab es zuvor noch nicht. „Das ist erstaunlich“, sagte der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. Einige sehen darin einen Widerspruch zu den Aussagen von Franziskus, den nationalen Bischofskonferenzen und den einzelnen Bistümern mehr Eigenständigkeit geben zu wollen und die Befugnisse der römischen Zentrale zurückzudrängen.

Auf den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst warten zwei, drei ruhige Monate. Es ist ein Zwangsurlaub, verordnet von Papst Franziskus. Bis zur Klärung der Vorgänge rund um den Bau des 31 Millionen Euro teuren Bischofssitzes durch eine Prüfkommission der Deutschen Bischofskonferenz hat der Papst den 53-jährigen Tebartz-van Elst aus der Schusslinie genommen. Er bleibt formal weiter Bischof, hat aber keine Vollmachten mehr.

Mitglieder des Limburger Domkapitels waren noch vor zwei Tagen davon ausgegangen, dass sie selbst aus ihrer Reihe einen Administrator für eine Übergangszeit wählen können. Üblich wäre auch, wenn der Papst einen Diözesan-Administrator von außen geschickt hätte, formal muss ihn eine Diözese darum aber erst einmal bitten.

Katholiken in Limburg freuten sich, dass nun überhaupt Bewegung in die Angelegenheit gekommen ist. „Es ist eine gute Übergangslösung“, sagte Ingeborg Schillai, die Präsidentin der Diözesanversammlung Limburg. „Wolfgang Rösch genießt großes Vertrauen, und es geht ja erst mal darum, dass die Amtsgeschäfte weitergeführt werden.“ Viele hätten allerdings gehofft, dass Tebartz-van Elst möglichst gleich mit einer neuen Aufgabe außerhalb des Bistums betraut werde, damit eine Rückkehr nach Limburg ein für alle Mal unmöglich wird.

Auch der Sprecher des von kritischen Pfarrern gegründeten Hofheimer Kreises, Ludwig Reichert, hält eine spätere Rückkehr für ausgeschlossen. Das Vertrauen sei „nachhaltig zerstört“. Die Entscheidung vom Mittwoch führe nur dann „zu einer vorläufigen Befriedung, wenn sich der Bischof in nächster Zeit nicht im Bistum blicken lässt“. Auch der Limburger Domdekan Günther Geis sieht keine realistische Rückkehroption. „Es ist eine Vertrauenskrise, die schwer zu beheben sein wird“, sagte Geis.

„Die gefundene Übergangslösung dient dem Rechtsfrieden“, sagte der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. Er kennt die Vorgänge im Bistum Limburg sehr gut, weil er 16 Jahre lang dort im Ordinariat der oberste Kirchenrechtler war. Entscheidend sei, dass der Bischof keinerlei Vollmachten mehr habe und auch Generalvikar Franz Kaspar abgesetzt ist. Kaspar sei neben dem Bischof der Hauptverantwortliche für die Probleme im Bistum. Die Entscheidung zeige auch, dass sich der Papst nicht von den Medien treiben lasse. Da zeige sich auch der Jesuit in ihm, der nicht aus einer Situation des Drucks heraus Entscheidungen treffe und sich auch nicht nur vom ersten Eindruck einer Situation leiten lasse.

„Es hängt jetzt sehr viel von der Prüfkommission der Bischofskonferenz ab“, sagte Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Deshalb müssten jetzt erst recht „alle Fakten auf den Tisch“. Glück fordert auch, dass die Ergebnisse der Kommission transparent und offen kommuniziert werden – „damit es nicht zu Verschwörungstheorien kommt“.

Wolfgang Rösch, den neuen Verwalter des Bistums, beschreiben Limburger Katholiken als etwas introvertierten, aber erfahrenen und auf Ausgleich bedachten Mann. Am Mittwoch weilte er auf einer Pilgerreise, wollte nun aber schleunigst zurückkehren.

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