Politik : Papst will Christmette selbst halten

Paul Kreiner[Rom]

Spontane Äußerungen von Johannes Paul II. hat man in der Öffentlichkeit schon lange nicht mehr gehört. Bei Audienzen oder zuletzt beim Konzert von Ballett und Orchester der russischen Armee sah es zwar immer so aus, als würde der Papst den vorbereiteten Grußadressen gerne noch ein paar persönliche Worte hinzufügen. Oft setzte er auch dazu an, stemmte sich in seinem Sessel höher, aber dann reichte die Kraft nicht mehr aus.

Kürzlich aber ist doch einmal ein Halbsatz aus jenem Gefängnis gedrungen, das der krankheitsgeschwächte Körper für Johannes Paul II. geworden ist, und er zeigt, dass innen noch ein lebendiger, durchaus humorvoller Mensch steckt. Als polnische Pilger beim Angelusgebet am Sonntag auf dem Petersplatz anfingen, Weihnachtslieder aus der gemeinsamen Heimat zu singen, sagte der Papst: „Wenn ich jetzt nur nicht so heiser wäre …“

Vatikanbeobachter zeigten sich aber überrascht von der Ankündigung des päpstlichen Liturgiebüros, der Papst werde die Mitternachtsmette im Petersdom „zelebrieren“ und nicht nur „leiten“. Die letzte „richtige“ Papstmesse liegt Monate zurück, zuletzt verfolgte das Kirchenoberhaupt Gottesdienste meist vom Rand aus. Doch Johannes Paul II. scheint sich derzeit wieder kräftiger zu fühlen; der „Rückzug in die zweite Reihe“ soll offenbar noch nicht zur Dauereinrichtung werden. Nur an Neujahr, da überlässt Johannes Paul II. den Altar wieder einem Kardinal: Angelo Sodano, dem Leiter des Staatssekretariats. Ansonsten bleibt das liturgische Weihnachtsprogramm, wie es immer war: Am ersten Feiertag spendet der Papst „der Stadt und der Welt“ seinen Segen „Urbi et Orbi“, und das bürgerliche Jahr schließt an Silvester mit einem feierlichen Vesper- und Dankgottesdienst im Petersdom.

Ans Aufgeben denkt Johannes Paul II. nach wie vor nicht. Für 2005 steht schon eine Reise in seinem Terminkalender: Im August will er zum zwanzigsten Weltjugendtag nach Köln fliegen.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar