Politik : Paris sucht Kontakt zu Geiselnehmern

Sabine Heimgärtner

Paris - Die Regierung in Paris will nicht auf die Forderung der Entführer von der „Islamischen Armee Iraks“ eingehen, das Kopftuchverbot an den staatlichen Schulen in Frankreich wieder aufzuheben. Der Pariser Regierungssprecher Jean-François Copé sagte dem Fernsehsender „Canal Plus“, das entsprechende Gesetz verteidige „die Werte der Toleranz und der freien Religionsausübung“. Die Entführer der beiden auf dem Weg nach Nadschaf verschwundenen Journalisten Christian Chesnot und Georges Malbrunot hatten am Samstagabend die Aufhebung des Kopftuchverbotes innerhalb von 48 Stunden gefordert. Am Montag bemühte sich Frankreichs Außenminister Michel Barnier von Kairo aus um die Freilassung der Geiseln. Der irakische Übergangs-Ministerpräsident Ijad Allawi rief unterdessen Frankreich in einem Interview mit der Pariser Zeitung „Le Monde“ dazu auf, sich wie die USA dem Kampf gegen „das Böse“ zu stellen.

Unterstützung für das Kopftuchverbot an französischen Schulen erfuhr die Regierung in Paris von sämtlichen muslimischen Spitzenvertretern in Frankreich, aber auch von Muslimen aus dem Ausland. Palästinenserpräsident Jassir Arafat und selbst der als radikaler Fundamentalist bekannte Intellektuelle Tariq Ramadan, ein erklärter Gegner des Kopftuchgesetzes, verlangten am Montag die Freilassung der Geiseln. Sie forderten Frankreichs Regierung auf, „dieser widerwärtigen Erpressung nicht nachzugeben“. Frankreichs Außenminister Barnier versuchte mit Hilfe zahlreicher französischer Diplomaten über verschiedene Geheimdienstkanäle, Kontakt zu den Entführern aufzunehmen. Diese verlängerten am Montagabend ihr Ultimatum.

Unterdessen rief der radikale Schiitenprediger Moktada al Sadr seine Milizionäre zu einem Ende der Kämpfe im Irak auf. Der Aufruf gelte für das ganze Land, erklärte sein Büro. Sadr habe zugleich angekündigt, dass sich seine Bewegung künftig am politischen Prozess im Land beteiligen werde.

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