Politik : Partei der Strippenzieher

Gabi Zimmer kündigt ihren Rückzug an. Soll jetzt Lothar Bisky die PDS retten? Die Genossen sind zerstritten

Matthias Meisner

Am Ende hat sich Gabi Zimmer dann doch überzeugen lassen. Gute Parteisoldatin war sie immer – und nun nahm die PDS-Chefin ausgerechnet an ihrem 48. Geburtstag den Hut. Die einflussreichen Ost-Landesvorsitzenden hat sie am Mittwoch in ihr Büro im Karl-Liebknecht-Haus geladen, und sie verkündet die Botschaft gleich zu Beginn: Beim Sonderparteitag, der nun für Ende Juni erzwungen werden soll, werde sie nicht mehr kandidieren. Nach mehrstündiger Beratung bleiben mehr als ein Dutzend Blumensträuße und eine niedergeschlagene Gabi Zimmer zurück.

Der Rückhalt für die Chefin war in den letzten Tagen deutlich zurückgegangen. Kaum noch ein Genosse setzte auf die Vorsitzende, die sich erst mit den Dogmatikern einließ und nun von den Reformern instrumentalisiert werden sollte, um der Partei die womöglich letzte Chance zu geben. Wie die meisten in der Partei weiß auch Zimmer nicht, wie und mit wem es weitergehen soll. Der mitgliederstärkste Landesverband Sachsen hat ihr vor der Sitzung die Gefolgschaft aufgekündigt. „Enttäuscht“ sei sie von Zimmer, erklärte die Landesvorsitzende Cornelia Ernst. Der sächsische Fraktionschef Peter Porsch warnte: „Wenn Gabi Zimmer von vornherein keinen Personalvorschlag hat, soll sie lieber die Finger vom Vorsitz lassen.“ Zimmer wollte zuletzt kaum noch einer in der Reihe der Funktionäre – selbst wenn Gregor Gysi noch am Mittwoch wiederholte, dass Veränderungen in der Partei nur mit und nicht gegen Zimmer zu erreichen seien. Gemeint war damit nur, dass die Parteichefin erst dann gehen darf, wenn halbwegs klar ist, von welchem Team künftig die PDS geführt werden kann.

Doch die Runde der Ost-Landeschefs konnte sich am Mittwoch nicht auf einen Vorschlag verständigen, der alle überzeugt und eine Mehrheit bei den Delegierten verspricht. Überzeugt sind die meisten in den Kreisen der Strippenzieher lediglich, dass Bundesgeschäftsführer Uwe Hiksch und Parteivize Diether Dehm geschasst werden sollen – jene also, die einst Gabi Zimmer ins Amt halfen. Dann kommen die offenen Fragen: Die einen loben Ruhe und Kraft des Alt-Vorsitzenden Lothar Bisky. Andere nennen ihn verbraucht. Wolfgang Methling aus Schwerin soll vorgeschickt werden, dort Umweltminister. Mancher erinnert sich gern, wie Methling an der Basis positiv auffiel, weil er US-Präsident George W. Bush einen „Kriegsverbrecher“ schimpfte. Andere sagen, Mehtling kenne im Lande keiner. Die brandenburgische Landtagsabgeordnete Dagmar Enkelmann? Oder Ex-Fraktionschef Roland Claus? Der wenigstens ruft sich selbst. Zuvor warnt er, die eigenen Genossen zu überfordern. „Es ist immer noch der gleiche Parteitag“, sagt Claus über die Delegierten des desaströsen Kongresses nach der Bundestagswahl in Gera. „Man kann dem Parteitag einiges zumuten. Aber man darf es auch nicht überziehen.“

Bisky wenigstens hätte schon einen Manager. Für diesen Sonntag nämlich hat der Genosse Dehm zu seiner Talkrunde „Zum Roten Bock“ eingeladen. Angekündigt ist ein „äußerst attraktiver Gast“. Er heißt Bisky.

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