Patenschaft : Bundespräsident bedenkt Kind rechtsextremer Eltern

In Mecklenburg-Vorpommern weigert sich ein Bürgermeister einem Kind die Patenschaft des Bundespräsidenten Wulff zu überbringen. Die Eltern des Kindes sind in der rechten Szene aktiv.

von
Christian Wulff
Christian WulffFoto: AFP

Eine Woche vor seinem Antrittsbesuch in Mecklenburg-Vorpommern hat ein Dorfbürgermeister von der Linkspartei Bundespräsident Christian Wulff zu einer nicht alltäglichen Entscheidung gezwungen. Reinhard Knaack hatte sich geweigert, einer Familie im Ort Lalendorf für ihr siebtes Kind die Urkunde über die Ehrenpatenschaft des Bundespräsidenten und 500 Euro zu überreichen. Es handele sich bei Vater und Mutter um aktive Rechtsextremisten, er wolle solche Leute nicht hofieren, bekundete Knaack. Er schickte Urkunde und Geld ans Bundespräsidialamt zurück.

Wulff allerdings will an dem seit 1949 bestehenden Brauch festhalten und ließ beides nun zustellen. Es gehe „hier allein um das Kind und nicht um die Eltern“, teilte sein Amt mit, und „alle sind aufgefordert, für ein Klima zu sorgen, in dem Kinder demokratisch erzogen werden“.

Mehr als 76 440 Patenschaften für siebte Kinder haben die Bundespräsidenten seit 1949 übernommen. Auch Marc und Petra M. hatten sie für ihre im Sommer geborene Tochter beantragt. Bürgermeister Knaack erfuhr seitdem allerdings einige Details über die politischen Aktivitäten des Paares, das erst im vergangenen Jahr aus Baden-Württemberg in den Nordosten zugezogen war. Demnach gehören inzwischen verbotene Organisationen wie die „Wiking-Jugend“ und die „Heimattreue Deutsche Jugend“ zu den Stationen ihrer rechtsextremen Karriere, aber auch der NPD-nahe „Ring Nationaler Frauen“ und Kontakte zum 2009 gestorbenen Vize-NPD-Vorsitzenden Jürgen Rieger. Gegenüber der Zeitung „Junge Freiheit“ bestritt Petra M. dies nicht, beteuerte aber, sie hätten „keine Straftaten begangen“ und seien auch nicht Mitglied der NPD.

Bürgermeister Knaacks Weigerung, die Müllers mit Ehrenurkunde und Geldgeschenk zu besuchen, brachte ihm auch aus den Reihen von SPD, CDU und FDP viel Beifall ein. Amtsvorsteher Wilfried Baldermann (CDU) befand: „Wir können uns nicht gegen die rechte Kultur engagieren und dann solchen Leuten Ehrungen überbringen.“ Landtagsabgeordnete lobten Knaack parteiübergreifend als „Vorbild für Entschlossenheit und Zivilcourage“. Der Vorsitzende der Schweriner SPD-Fraktion Norbert Nieszery schrieb sogar an Wulff und forderte ihn auf: „Setzen Sie bitte ein Zeichen für unsere Demokratie und ziehen Sie die Urkunde für die Ehrenpatenschaft zurück.“

Die mit sechs Abgeordneten im Landtag vertretene NPD hingegen wetterte gegen „Sippenhaft“ und „Gesinnungsdiktatur“ und bot an, notfalls die 500 Euro für Familie M. zu bezahlen. Rechtsextreme Kreise riefen im Internet dazu auf, Bürgermeister Knaacks Sprechstunde zu nutzen und sich zu beschweren, dabei aber mögen „übereifrige Aktivisten ihren berechtigten Zorn zügeln“.

Der ehemalige Innenminister Armin Jäger (CDU) mahnte unterdessen einen „selbstbewussten Umgang“ mit den Herausforderungen der Extremisten an. „Wir sollten uns selbst davor bewahren, durch eine überzeichnete Erregung Einzelne zu Märtyrern zu stilisieren“, fügte er hinzu. Und Amtsvorsteher Wilfried Baldermann (CDU) nannte Wulffs Entscheidung „ein salomonisches Urteil“.

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