Politik : PDS: Machtkampf? Welcher Machtkampf?

Carsten Germis

Waren das noch Zeiten. Als die Delegierten auf dem PDS-Parteitag im Oktober in Cottbus die Thüringerin Gabi Zimmer zur neuen Parteichefin gewählt hatten, sangen sie noch fröhlich: "Für Gabi tun wir alles!" Auch PDS-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch stimmte da noch mit voller Stimme mit ein, als es hieß: "Galant, wie er nie war, ist jetzt unser Dietmar. Für Gabi tut der alles!" Mehr als 100 Tage ist die neue Chefin jetzt im Amt. Und in der Partei rumort es. Zu farblos sei die Gabi Zimmer, heißt es. Zwischen ihr und Bartsch tobe im Karl-Liebknecht-Haus, der PDS-Bundeszentrale in Berlin, ein offener Machtkampf.

Die Lage ist immerhin so ernst, dass die Frage nach dem "Machtkampf" am Montag in Berlin auch während der Vorstandssitzung laut wurde. Nein, nein. Zwischen ihr und Bartsch laufe es gut, antwortete Zimmer. "Es gibt unterschiedliche Arbeitsmethoden, aber deswegen muss doch kein Machtkampf ablaufen." Auch Bartsch winkte mit einer kurzen Handbewegung ab. "Vergesst es", meint er kurz und bündig.

Parteimanager Bartsch, dem vor dem Cottbuser Parteitag selbst Ambitionen auf den Parteivorsitz nachgesagt wurden, weiß, dass Zimmer nicht fallengelassen werden kann. Ein Medienstar wie der frühere PDS-Fraktionschef Gregor Gysi ist eben nicht so einfach zu ersetzen. Bartsch beschreibt das mit den Worten, "die Differenz zwischen PDS-Führung und Partei ist geringer geworden".

Gabi Zimmer weiß um ihre Defizite in der öffentlichen Darstellung. Deswegen versucht sie, dass Erfolgsrezept von FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle zu kopieren: Die PDS-Vorsitzende drängt es in die Talk-Shows, die sich ihrerseits bislang aber eher wenig um Zimmer drängen. Wer sie in ihren ersten 100 Tagen "nicht unter Druck gesetzt hat, das sind die Verantwortlichen der deutschen Talk-Show-Runden", klagte sie. "Da wäre ich für mehr Druck dankbar." Doch "das wird sich einrenken mit der Zeit", machte sie sich selber Hoffnung.

Gabi Zimmer demonstrierte nach der Vorstandssitzung deswegen auch Selbstbewusstsein. "Die PDS hat in diesen 100 Tagen Politik gemacht", erklärte sie fast ein bisschen trotzig: Widerstand gegen die Rentenreform der rot-grünen Bundesregierung und Kampf gegen den Rechtsextremismus nennt sie als zentrale Themen.

Außerdem strebe die PDS nun eine "strategische Partnerschaft" mit den Gewerkschaften an. "Was wir brauchen ist nicht die glänzende Fassade, was wir brauchen, sind solide Fundamente", hält sie ihren Kritikern entgegen, die die neue Vorsitzende für zu farblos halten. Und dann erinnert sie sie daran, was sie schon nach ihrer Wahl in Cottbus sagte: "Ich bin keine Übergangsvorsitzende. Ich werde die Partei auch in den nächsten Jahren führen."

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