Politik : PDS-Reformer fordern Zimmer zum Rückzug auf

Bartsch stellt Team auf / Claus erwägt Kandidatur für Vorsitz

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Berlin. Im erbitterten Machtkampf um die Führung der PDS dauern die Bemühungen aus dem Reformerlager der Partei an, die amtierende Vorsitzende Gabi Zimmer zum Rückzug zu bewegen. Auch am Donnerstag führten PDS-Spitzenpolitiker interne Gespräche mit diesem Ziel. Für denkbar wurde in Parteikreisen auch ein Szenario gehalten, bei dem Zimmer erst in ihrer Rede auf dem am Samstag in Gera beginnenden Parteitag ihren Verzicht erklärt. Für diesen Fall ist der scheidende Vorsitzende der PDS-Bundestagsfraktion, Roland Claus, zur Kandidatur für das Amt des Parteichefs bereit. Eine Kampfkandidatur auf dem Parteitag sei für die PDS „gefährlich“ und müsse verhindert werden, verlautete aus der Führung.

Dieses Duell hatte Dietmar Bartsch, der amtierende Bundesgeschäftsführer, gegen Zimmer angekündigt, „falls es eine andere Alternative nicht gibt“. Der Schweriner Vize-Ministerpräsident Helmut Holter forderte Zimmer auf, nicht zu kandidieren. Unterstützt wird Zimmer noch aus Sachsen und Thüringen. Die Führung in Sachsen-Anhalt versucht, Claus notfalls auch zu einer Kampfansage gegen Zimmer zu bewegen. Zimmer aber ist überzeugt, dass Claus nicht gegen sie antreten wird. Auch nach einem weiteren Kompromisskandidaten wurde noch gesucht – zunächst ohne Erfolg.

Bartsch erläuterte am Donnerstagabend vor brandenburgischen Delegierten seine Vorstellungen für eine Spitzenmannschaft. Nach Tagesspiegel-Informationen benannte er Vize-Parteichefin Petra Pau, die Europaabgeordnete Sylvia-Yvonne Kaufmann sowie den bisherigen Vize-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Gehrcke. Sollte es bei der Kampfkandidatur von Zimmer gegen Bartsch bleiben, wollen beide Kandidaten Bartsch vereinnahmen – dann als Bundesgeschäftsführer. Auch der Parteinachwuchs drängte auf Berücksichtigung. Möglicherweise wird die frühere Vize-Chefin der PDS, Angela Marquardt, für die engere Führung antreten. Brandenburgs PDS-Chef Ralf Christoffers brachte eine Verschiebung der Vorstandswahlen in die Diskussion.

Derweil forderte der sächsische PDS-Geschäftsführer Rico Gebhardt die Leipziger Landtagsabgeordnete Heike Werner auf, ihre Aktion „100 Kandidaten für den Bundesvorsitz“ sofort zu beenden. Werner will damit Bewerbern der Basis Rederecht auf dem Parteitag verschaffen. Gebhardt erklärte: „Die PDS befindet sich in einer äußerst ernsten Lage, in der solche Spaßaktionen völlig fehl am Platze sind.“ Matthias Meisner

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