Politik : Per Anhalter zur WM

NAME

Von Markus Feldenkirchen

Man kann aus der ganzen Geschichte den Schluss ziehen, dass Japaner deutschen Humor nicht erkennen. Vor allem eine Frage hatte den Bundeskanzler die vergangenen Tagen auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Kanada gequält: „Wie komme ich von hier nur zum WM-Finale in Yokohama?“ Im Scherz, so berichten Umstehende, habe Schröder seinen japanischen Kollegen am Mittwoch gefragt, ob sie nicht gemeinsam nach Tokio jetten könnten. Offenbar hat Premier Koizumi den Scherz nicht herausgehört. Jedenfalls lud er Schröder am Mittwoch gleich in sein Flugzeug ein.

Ein absolutes Novum. Noch nie habe ein japanischer Premier einen Kollegen mitgenommen, berichten gut unterrichtete Japaner. Schröder weiß vielleicht gar nicht, welche Ehre ihm da am Freitag zuteil wird. Die Maschine darf nämlich nur vom japanischen Premierminister und Mitgliedern der kaiserlichen Familie benutzt werden. Nicht mal der Außenminister des Landes hat Zutritt. Warum dann Schröder? Premier Koizumi lädt den Kanzler als offiziellen Staatsgast ein. Denn nur mit diesem Status darf man den heiligen Flieger betreten.

Nur wenige haben den Edel-Jet je von innen gesehen. Es müsse schon „ein ganz exquisiter Standard“ sein, spekulieren Vertreter der japanischen Botschaft. Der Kanzler bekommt auf dem zehnstündigen Flug sogar ein eigenes Séparée, das er sich mit Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke und seinen Sicherheitsleuten teilen muss.

Schröder gab am Donnerstag zu bedenken, dass er so sehr günstig nach Japan komme. Statt den längeren Weg mit der Luftwaffe über Deutschland nach Japan zu nehmen, nutzt der Kanzler die japanische Mitflugzentrale. Noch macht man sich in der Kanzlerdelegation Gedanken über ein geeignetes Dankeschön für den Gastgeber. Diese Protokollfrage ist ebenso ungeklärt, wie die, ob Schröder seine Schuhe ausziehen muss, wie es vor Eintritt in japanische Privatgemächer üblich ist.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben