Philosophie : Das Vermächtnis: Unabhängigkeit

Mit seinem Verständnis von Unternehmertum und philanthropischem Handeln wollte Robert Bosch als Bürger und Stifter seinen Beitrag für die Allgemeinheit leisten.

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Die Robert Bosch Stiftung zählt zu den großen unternehmensverbundenen Stiftungen in Deutschland. Als gemeinnützige Organisation beruht ihre Gründung 1964 auf dem Testament des Unternehmers Robert Bosch und folgt seit nunmehr 50 Jahren seinem philanthropischen Vermächtnis. Dessen Wurzeln liegen in Boschs gedanklicher Unabhängigkeit, seinem Bekenntnis zu Demokratie, Völkerverständigung und in einer frühen Beschäftigung mit den sozialen Fragen seiner Zeit.

So hat das Kapital nach Bosch auch der allgemeinen Wohlfahrt zu dienen. „Meine Absicht geht dahin, neben der Linderung von allerhand Not vor allem auf die Hebung der sittlichen, gesundheitlichen und geistigen Kräfte des Volkes hinzuwirken“, formulierte er 1935. Ganz im Sinne seines Wunsches, an der Verbesserung der Lebensverhältnisse seiner Zeit mitzuwirken und Gesellschaft und Staat aktiv mitzugestalten, schenkte Bosch 1910 der Technischen Hochschule Stuttgart eine Million Mark und leitete so sein philanthropisches Engagement ein. Dabei stand für ihn immer die sachliche Hilfe im Vordergrund, die auf seinem bürgerlichen Pflichtgefühl beruhte. Ruhm und Ehre waren nie sein Ziel.

Das beherzigt auch die Stiftung, die seinen Namen trägt. „Wir leben im Geist von Robert Bosch, sind sehr sachorientiert, gehen in die Tiefe und bleiben hartnäckig an Themen dran“, erklärt Geschäftsführerin Ingrid Hamm. „Nach der berühmten Feuerbach-These glauben wir, dass man Dinge wirklich verändern, nicht nur interpretieren muss. Wir wollen in der Praxis wirklich etwas erreichen.

Deshalb lassen wir die Projekte ihre Wirkung entfalten und nehmen uns zurück. Insofern sind wir eine bescheidene Stiftung.“

Dabei hält die Stiftung das Vermächtnis Robert Boschs aufrecht und interpretiert es im Rahmen der Themen unserer Zeit ständig neu. Mit ihren Schwerpunktbereichen – Gesundheit, Wissenschaft, Völkerverständigung, Bildung, Kultur und Gesellschaft – konzentriert sie sich auf große, zentrale gesellschaftliche und soziale Aufgabenstellungen. Allerdings, so gibt Geschäftsführer Joachim Rogall zu, könne die Stiftung nicht im Alleingang flächendeckend die Probleme der ganzen Welt oder auch nur Deutschlands lösen. „Wir können immer nur anstiften“, sagt er nüchtern.

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