Piraten : Französischer Soldat erschoss Geisel

Ein Radiosender berichtet, dass die Piraten vor Somalia wohl unschuldig sind am Tod des Skippers der Jacht "Tanit".

Rudolf Balmer[Paris]
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Ende einer Reise. Das Bild zeigt die später vom französischen Militär zurückeroberte Jacht „Tanit“ in der Hand der Piraten. Eine...

Ein französischer Elitesoldat hat bei der Erstürmung einer vor Somalia von Piraten gekaperten Jacht „Tanit“ am 10. April eine Geisel erschossen. Der Radiosender Europe-1 berichtet unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass der französische Segler Florent Lemaçon nicht von somalischen Piraten getötet worden sei. Das Verteidigungsministerium in Paris wollte mit Hinweis auf eine noch laufende gerichtliche Untersuchung diese Darstellung weder dementieren noch bestätigen.

„Aufgrund einer Reihe von Indizien, vor allem ausgehend von den Aussagen der Mitglieder des Marine-Kommandos vor ihren Vorgesetzten gleich nach der Aktion“ könne man schließen, dass die Kugel, die den Skipper Florent Lemaçon tödlich verletzte, von einem Angehörigen dieser französischen Marine-Einheit abgegeben worden sei. Der Schilderung von Europe-1 zufolge habe sich Lemaçon bei der Erstürmung der gekaperten Jacht vor seine Frau und seinen dreijährigen Sohn gestellt und dabei eine schützende Handbewegung gemacht, die falsch interpretiert worden sei. Aus einem Reflex heraus habe ein französischer Soldat geschossen. Auch die Frau des toten Kapitäns habe dies so in ihrer Aussage vor der Untersuchungsbehörde erzählt.

Weitere Elemente liefert der gerichtsmedizinische Befund bei der Obduktion der Leiche: Der Schuss durchquerte zuerst die Hand und dann den Kopf des Franzosen. Da aber die tödliche Kugel selber nicht gefunden wurde, kommt der Obduktionsbericht zu dem Schluss, die Herkunft des Geschosses sei nicht definierbar. Nach Angaben von Europe-1 sei der bewaffnete Befreiungsschlag angeordnet worden, weil die Verhandlungen mit den Piraten gescheitert waren. Die Behörden hätten jedoch die Gespräche der Piraten abgehört und diese hätten erwogen, ein „Exempel zu statuieren“.

Verteidigungsminister Hervé Morin hatte gleich nach dem unglücklichen Ende der Geiselbefreiung gesagt, die ganze Wahrheit werde bekannt gegeben, sobald die Untersuchung dazu abgeschlossen sei. Schon damals war in Frankreich kritisiert worden, dass für die heiklen Verhandlungen mit den Piraten und die militärische Intervention ein Kommando der Marine und nicht die für solche Aktionen spezialisierte Eliteeinheit der Gendarmerie (GIGN) zum Einsatz gekommen war.

Frankreichs Staatsführung hat den Piraten schon vor Monaten einen Kampf ohne Pardon angedroht: „Frankreich akzeptiert es nicht, dass sich solche Verbrechen lohnen“, sagte Präsident Nicolas Sarkozy, als er im Herbst 2008 die Schaffung einer „internationales Meerespolizei“ vorschlug. Zu deren schlagkräftigen Elementen sollte auch die GIGN zählen.

Frankreich ist stolz auf diese nach dem Vorbild der deutschen GSG9 1974 gebildete Sondereinheit für besonders riskante Fälle von Interventionen gegen Terroristen, skrupellose Gangster, Geiselnehmer oder Amokläufer. In mehr als tausend, oft spektakulären Einsätzen wurden ebenso viele Personen verhaftet oder außer Gefecht gesetzt und mehr als 500 Geiseln befreit. Nur zwei GIGN-Mitglieder starben im Einsatz. Im Dezember 1994 befreite die GIGN ein von vier algerischen Terroristen entführtes Flugzeug, alle 164 Passagiere blieben unversehrt. Zu den Erfolgen, die den Mythos der Truppe begründen, gehört auch die Verhaftung des Söldnerchefs und Putschisten Bob Denard auf den Komoren-Inseln vor der südöstlichen Küste Afrikas im Jahr 1995.

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