Politik : PKK droht mit Ausweitung der Gewalt

Thomas Seibert

Istanbul - Es war wie in den dunkelsten Zeiten des PKK-Krieges. In der Provinz Sirnak im türkischen Kurdengebiet nahe der irakischen Grenze gerieten Soldaten in einen Hinterhalt von Kurdenrebellen. Bei dem Gefecht wurden nach offiziellen Angaben 25 Menschen getötet, 21 davon demnach PKK-Kämpfer. Die PKK bestreitet Verluste. Unumstritten ist aber, dass die Spannungen im Kurdengebiet wieder zunehmen: Die Kurdenrebellen drohen sogar, ihre Gewaltaktionen auf die ganze Türkei auszudehnen.

Das Scharmützel in Sirnak und die Versuche beider Seiten, eigene Verluste herunterzuspielen, erinnern ebenfalls an den PKK-Krieg in den 80er und 90er Jahren. Damals starben 35000 Menschen. Nach der Festnahme ihres Anführers Abdullah Öcalan 1999 zog sich die PKK aus der Türkei in den Nordirak zurück und erklärte den bewaffneten Kampf für beendet. Doch der Frieden ist brüchig. Die PKK verlangt vom türkischen Staat eine Generalamnestie – was Ankara kategorisch ablehnt. Im vergangenen Jahr kündigte die PKK ihren Waffenstillstand auf und begann wieder mit Angriffen.

Ausgangsbasis dafür sind die Lager der PKK im Nordirak. Inzwischen sind nach Schätzungen der türkischen Armee so viele PKK-Mitglieder in die Türkei eingesickert, dass die Rebellen über so viele Kämpfer im Land verfügen wie vor ihrem Abzug vor sechs Jahren – etwa 5000. Ende März begann die Armee mit der größten Militäraktion gegen die PKK seit fünf Jahren. Mehr als 30 Rebellen wurden seitdem nach Angaben der Armee getötet – während die PKK von mehr als 120 toten Soldaten spricht.

Die Kämpfe eskalieren zu einer Zeit, in der sich die Türkei auf einen neuen Streit über das Schicksal Öcalans vorbereitet. Voraussichtlich in diesem Monat will der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg sein Urteil im Fall des PKK-Chefs verkünden. Inoffiziellen Informationen zufolge wollen die Richter von der Türkei verlangen, das Verfahren neu aufzurollen.

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