Politik : Plötzlich steht Bittsteller Clinton mit leeren Händen da (Kommentar)

Ein Putsch in einem Land mit Nuklearwaffen - da schrillen in Washington die Alarmglocken. Doch außer Gebimmel ist nicht viel. Am Tag nach dem Votum des US-Senats gegen den Atomteststopp hat Bill Clinton es am besten gesagt: Pakistan solle nicht glauben, Amerika kümmere sich nicht um den Subkontinent. Gleichzeitig rügt er, ein "neuer Isolationismus" gefährde nicht nur die Glaubwürdigkeit amerikanischer Außenpolitik, sondern deren Existenz. Washington will Einfluss auf Islamabad nehmen. Doch Clinton steht als Bittsteller mit leeren Händen da. Während er eine Rückkehr zur Demokratie anmahnt, konsolidiert Putsch-General Pervez Musharraf seine Macht, erklärt den Ausnahmezustand und setzt die Verfassung außer Kraft. Amerika ist nach dem Nein zum Teststopp geschwächt. In einer Krise wie dem pakistanischen Coup reicht es nicht, noch eine Tranche irgendwelcher Finanzhilfen zu stornieren. Wahres Drohpotential fußt zuallererst auf einer Statur, die zur moralischen Einflussnahme berechtigt. Und da geht es um vorbildliches Verhalten bei der Übernahme globaler Verpflichtungen. Ein Amerika, das UNO-Schulden nicht zahlt, Kyoto und den Teststopp sabotiert und sich um internationale Gerichtsurteile (gegen die Hinrichtung von Ausländern) nicht schert, verspielt Respekt. Pakistan ist das aktuelle Barometer. Die Folgen haben wir alle zu tragen. rvr

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