Politik : Plötzlicher Protest

Harald Maass

Mindestens 33 deutsche und andere ausländische Anhänger der Falun-Gong-Bewegung sind nach einer Demonstration auf dem Platz des Himmlischen Friedens am Dienstag in Peking festgenommen worden. Die Anhänger der Kultbewegung, darunter acht Deutsche, wollten gegen die "extreme Verfolgung" und Ermordung von Falun-Gong-Anhängern in China protestieren, hieß es in einer Presseerklärung.

Die Demonstranten hatten kaum genügend Zeit, ihr mitgebrachtes gelbes Protestplakat zu entfalten. Nach einer halben Minute umringten Polizeiautos die zumeist jüngeren Demonstranten, die sich am frühen Nachmittag auf dem Platz versammelt hatten. Die Männer und Frauen hatten Blumengebinde in Weiß dabei - der chinesischen Farbe der Trauer. Zivilbeamte rissen das Banner mit der Aufschrift "Wahrheit, Barmherzigkeit und Nachsicht" herunter. Mehrere Dutzend Polizisten umringten die Protestierenden, die in Meditationsstellung auf dem Boden saßen, und trugen sie in bereitstehende Kleinbusse. Im Gegensatz zu früheren Protesten chinesischer Anhänger prügelten die Beamten nicht auf die Demonstranten ein.

Die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete von 35 festgehaltenen Ausländern, die gegen "Gesetze über Umzüge, Demonstrationen und Kulte" verstoßen hätten. Die Festgenommenen sollten "innerhalb einer bestimmten Zeit" aus China ausgewiesen werden, meldete das Staatsfernsehen. Wie ein festgenommener Schweizer über sein Mobiltelefon berichtete, waren die ersten Demonstranten bereits am Dienstag auf dem Weg zum Flughafen.

In einer Presseerklärung forderten die Protestierenden die Aufhebung des Falun-Gong-Verbots und "die sofortige Freilassung" aller Anhänger aus den Gefängnissen. Zudem verlangten sie die Verurteilung des Politbüromitglieds Luo Gan, den sie für Pekings "unmoralische Hetzkampagne" gegen Falun Gong verantwortlich machen.

Die Falun-Gong-Bewegung, an deren Spitze der in den USA lebende Meister Li Hongzhi steht, ist in China als so genannter "Teufelskult" verboten. Tausende Anhänger der friedlichen Bewegung werden in Gefängnissen festgehalten und dort zum Teil gefoltert, berichten Menschenrechtsorganisationen. Nach Angaben von Falun Gong sollen mehr als 300 Anhänger in Polizeigewahrsam gestorben sein. Seit dem 11. September hat Peking das Vorgehen gegen die Bewegung verschärft.

Die Protestaktion auf dem Tiananmen, dem politischen Zentrum Chinas, wurde von Falun-Gong-Gruppen in Europa und den USA heimlich über das Internet organisiert. Die Anhänger aus zehn verschiedenen Ländern seien als Touristen getarnt nach Peking gekommen und hätten sich kurz vor der Demonstration zum ersten Mal getroffen, sagte einer der Organisatoren. Die Deutschen seien mit einer Tchibo-Pauschalreise nach China gereist.

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