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Polen : Jaroslaw Kaczynski kandidiert bei Präsidentenwahl

Jaroslaw Kaczynski geht ins Rennen um die Nachfolge seines verstorbenen Zwillingsbruders Lech als polnischer Staatspräsident. Wirklich überraschend kommt die Bewerbung nicht.

Knut Krohn
Polens ehemaliger Premierminister Jaroslaw Kaczynski wagt sich vor und will Präsident werden.
Polens ehemaliger Premierminister Jaroslaw Kaczynski wagt sich vor und will Präsident werden.Foto: AFP

Jaroslaw Kaczynski hat sich entschieden. Der Zwillingsbruder des tödlich verunglückten polnischen Staatschefs Lech Kaczynski wird bei den Präsidentenwahlen am 20. Juni antreten. Lange war gerätselt worden, wie der national-konservative Oppositionsführer im polnischen Parlament auf den schweren Schicksalsschlag reagieren würde. Bei der Flugzeugkatastrophe in Smolensk hat er vor zwei Wochen nicht nur seinen Bruder und seine Schwägerin verloren, auch viele Freunde sind unter den Opfern. Geblieben ist ihm seine kranke Mutter, um die er sich nun kümmert.

Während der Trauerfeiern wirkte Jaroslaw Kaczynski wie ein gebrochener Mann, doch nun rüstet er zum Kampf. Kraft dazu gibt ihm die Gewissheit, eine Mission zu erfüllen. Er sieht sein eigenes und das politische Wirken seines Bruders in einem historischen Zusammenhang. Auf einer der Trauerfeiern für die Opfer des Absturzes ließ Kaczynski in diesen Tagen eine Grußbotschaft verlesen. „Wir müssen ihr so plötzlich unterbrochenes Werk wieder aufnehmen“, forderte er. „Vielleicht werden wir verlieren, vielleicht werden wir die Früchte unserer Arbeit nicht mehr ernten können. Doch wir müssen Zeugnis ablegen. Genauso wie die Generation, die im Wald von Katyn erschossen wurde und wie die, die 70 Jahre später gestorben sind, um ihnen ihre Ehre zu erweisen“. Der Präsident war mit seiner Maschine unterwegs zur Trauerfeier für die Opfer des Massakers von Katyn, bei dem im Jahr 1940 russische Truppen 20 000 Polen erschossen.

Der konservative Politiker müsste sich neu erfinden

Auf diesem Hintergrund ist es für Jaroslaw Kaczynski unerheblich, dass er mit seiner Kandidatur wahrscheinlich in die sichere Niederlage laufen wird. Um das höchste Staatsamt bewerben sich acht weitere Kandidaten, doch gibt es einen großen Favoriten: Bronislaw Komorowski. Der Parlamentspräsident und Kandidat der regierenden Bürgerplattform, der laut Verfassung die Amtsgeschäfte des toten Präsidenten übernommen hat, liegt in allen Umfragen haushoch vor seinen Konkurrenten. Allerdings befindet er sich in einer schwierigen Situation. Er muss führen, ohne in politischen Aktionismus zu verfallen. Zum einen ist er nicht demokratisch legitimiert, zum anderen würde ihm vorgeworfen, angesichts der nationalen Tragödie Wahlkampf für sich selbst zu machen. Komorowski sieht dieses Problem und agierte in den vergangenen Tagen sehr zurückhaltend.

Unklar ist, ob sich die Mehrheit der Polen von Jaroslaw Kaczynski überzeugen lässt. Viele kennen ihn als unversöhnlichen Kämpfer und Freund des politischen Nahkampfes, der auch vor schmutzigen Tricks nicht zurückschreckt. So haben die Kaczynski-Zwillinge vor fünf Jahren den Kampf um das Präsidentenamt gewonnen, indem sie mit persönlichen Angriffen und einer an Diffamierung grenzenden Kampagne Donald Tusk besiegten. Jaroslaw Kaczynski müsste beweisen, dass er seinen politischen Gegnern die Hand zur Versöhnung reichen kann. Er müsste sein gesamtes Auftreten verändern, seine rüden Gesten glätten, seinen barschen Ton mildern – er müsste sich völlig neu erfinden.

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