Politik : Polen: Schröder und Buzek beraten Europapolitik

Nach Abschluss des EU-Gipfels finden an diesem Montag in Frankfurt (Oder) die 4. deutsch-polnischen Regierungskonsultationen statt. Auch bei diesem Treffen von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Ministerpräsident Jerzy Buzek stehen die Europapolitik und der Erweiterungskurs der EU im Mittelpunkt. Anlass für den Zeitpunkt der Regierungskonsultationen ist der zehnte Jahrestag der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags.

Polnische Politiker und Kirchenvertreter sind einhellig der Meinung, dass historische Altlasten und neue Vorurteile trotz aller Normalisierung das Verhältnis beider Staaten noch immer belasten. "Es gibt noch sehr viel zu tun", betonte Außenminister Wladyslaw Bartoszewski, ein langjähriger Wegbereiter der deutsch-polnischen Aussöhnung.

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre sei immerhin ein "Zustand völliger Normalität" erreicht worden, lobte Bartoszewski die Verbesserung des vor allem durch den Zweiten Weltkrieg und den deutschen Besatzungsterror belasteten deutsch-polnischen Verhältnisses. Nach der Lösung des langjährigen Streits um die Entschädigung der ehemaligen Zwangsarbeiter blieben nun noch Minderheitenfragen und das Problem der geraubten Kulturgüter zu klären.

"Noch vor zehn oder elf Jahren hätten wir nicht derartige Fortschritte im Aussöhnungsprozess erwartet", sagte auch der ehemalige Regierungschef Wlodzimierz Cimoszewicz zum deutsch-polnischen Verhältnis. Doch trotz der großen Veränderungen im politischen Verhältnis blieben Negativ-Vorurteile in beiden Ländern verbreitet.

Mythen und Stereotypen über den Nachbarn hätten auch nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft überlebt, sagte Henryk Kroll, der die deutsche Minderheit aus Oberschlesien als Abgeordneter im polnischen Sejm vertritt. Das Verhältnis beider Regierungen sei zwar sehr gut, lasse zwischen den Durchschnittsbürgern aber noch zu wünschen übrig. Dennoch zeigte sich Kroll zuversichtlich hinsichtlich einer "Versöhnung von unten", die er oft in Oberschlesien zwischen vertriebenen Deutschen und heimisch gewordenen Polen erlebe. Die "überzogenen Forderungen" deutscher Vertriebenenverbände seien eine Belastung für das deutsch-polnische Nachbarschaftsverhältnis, sagte dagegen der christdemokratische Politiker Wieslaw Chrzanowski.

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