Polen : Streit um Ruhestätte Kaczynskis

Streit um die letzte Ruhestätte Kaczynskis. Geplant ist, ihn und seine Frau Maria am Sonntag mit einem Trauerakt in der Wawel-Kathedrale in Krakau beizusetzen. Doch das ist umstritten.

Knut Krohn

Warschau - Tadeusz Mazowiecki kennt seine Landsleute allzu gut. Am Tag nach dem tragischen Tod des Präsidenten Lech Kaczynski beklagte der ehemalige Premier Polens den Tod des Staatsoberhauptes mit der flehentlich vorgetragenen Mahnung, „dass die in der polnischen Politik zu Tage kommende Kleinlichkeit angesichts der Tragödie, die wir erlebt haben, zumindest für einige Zeit verschwindet“. Doch der inzwischen 83 Jahre alte Politiker wurde enttäuscht: Noch während sich die Schlange der Trauernden in Warschau vor dem Sarg im Präsidentenpalast kilometerweit durch die Altstadt von Warschau zieht, beginnt das politische Geschacher.

In der abgestürzten Maschine saß auch Slawomir Skrzypek, Chef der Nationalbank, dessen Posten nun vorerst sein Stellvertreter, Piotr Wiesiolek, übernommen hat. Dessen Kompetenz und Führungsqualität wurde aber sofort nicht nur von diversen Fachleuten angezweifelt. Vermutet wird, dass er bald von einem Vertrauten von Premier Donald Tusk ersetzt werden wird.

Um politische Symbolik geht es hingegen im Streit um die letzte Ruhestätte Kaczynskis. Geplant ist, ihn und seine Frau Maria am Sonntag mit einem Trauerakt in der Wawel-Kathedrale in Krakau beizusetzen. Erzbischof Dziwisz, Metropolit von Krakau, verkündete, dass er dies mit der Familie Kaczynskis vereinbart habe. „Sie werden mit denen ruhen, die sich um die Wohlfahrt unseres Landes verdient gemacht haben, unter den Königen und Helden“, erklärte er. Der Präsident sei „auf heldenhafte Weise ums Leben gekommen“, als am Samstag beim Anflug auf den Flughafen von Smolensk die Regierungsmaschine abstürzte. Die Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ warnt hingegen, dass die Nation gespalten werde: „Der Wawel ist der gemeinsame Ort aller Polen und kein gewöhnlicher Friedhof, über dessen Auswahl die Familienangehörigen entscheiden können.“ Knut Krohn

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