Politik : „Politik ist wie ein großes Theaterstück“

Der Gouverneur von Kalifornien über seine Art zu regieren, den Umweltschutz und das globale Klima – und über seine Devise: stark, groß und trotzdem sauber

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Alles klar. Willkommen. (Schwarzenegger lacht)

Sie sprechen immer noch Deutsch?

A bissel. Österreichisch.

Herr Schwarzenegger, Sie arbeiten viel. Das bestätigt Ihnen fast jeder in Kalifornien. Sie ackern sich durch Tausende von Papierseiten, zum Beispiel über den Haushalt. Warum macht es Ihnen mehr Spaß, ein Gouverneur zu sein als ein berühmter Hollywood-Star?

Ich zähle nicht die Seiten, die ich lese. Denn es macht keinen Unterschied, ob ich ein Drehbuch lese oder tausend Seiten über den Haushalt. Außerdem liebe ich Zahlen. Aber was wirklich wichtig ist: Dies ist der aufregendste Job, den überhaupt jemand haben kann, ohne jeden Zweifel. Und ich vermisse das Showbusiness kein bisschen, weil das Showbusiness ja auch ein Teil meines jetzigen Lebens als Gouverneur ist.

Wie bitte?

Dieses ganze Gebäude hier zum Beispiel ist wie ein einziges großes Theaterstück. Viele interessante Figuren spielen darin mit, und wenn man einzelne von ihnen herausnimmt, fällt das Stück in sich zusammen. Ich mag das und versuche, alles intakt zu halten, einschließlich der Presse, die ebenfalls einen wichtigen Part in dem Stück übernommen hat. Das alles ist wunderbar, aufregend, ein Slalomlauf. Alles muss ausbalanciert werden. Ein Schritt zu weit nach rechts – und man fällt. Ein Schritt zu weit nach links – und man fällt. Jeden Tag hat man mit aufregenden Dingen zu tun, mit Gesundheitspolitik, der Schaffung von Arbeitsplätzen, der Förderung des Wirtschaftswachstums, mit der Frage, wie man die Wirtschaft und Umwelt gleichzeitig schützt, mit Energiepreisen. All das sind faszinierende Sachen. Und man muss schnell lernen können. Denn es gibt keine Schule, auf der man lernt, ein Gouverneur zu sein. Doch der Schlüssel für diese Tätigkeit, der allerwichtigste Aspekt, ist: Man muss den Willen haben, wirklich für die Menschen zu arbeiten und zu kämpfen. Man muss in erster Linie den Menschen dienen, nicht seiner Partei.

Sie sprechen von einem Theaterstück. Wie könnte dessen Titel lauten – die Machtzentrale oder die Schlachtbank?

Nicht die Schlachtbank, es muss optimistischer klingen, positiv.

Stichwort Umweltschutz und Wirtschaft. Sie gelten als Amerikas oberster Ökogouverneur. Was tun Sie gegen die Emission von Treibhausgasen?

Darüber diskutieren wir ständig. Gerade war ich an der Ostküste, unmittelbar zuvor hatte das Magazin „Newsweek“ mir und meiner Umweltschutzpolitik eine Titelgeschichte gewidmet („Save the Planet – Or Else“). An der Ostküste hielt ich Reden an der Georgetown-Universität in Washington DC und vor dem Council on Foreign Relations in New York. Ich wollte, dass der Rest der Nation erfährt, dass Kalifornien in Sachen Ökologie tatsächlich führend ist und dass alle anderen amerikanischen Bundesstaaten ähnliche Gesetze verabschieden sollten, wie wir es in den vergangenen Jahren taten. Außerdem muss unsere Bundesregierung, das Weiße Haus, endlich handeln.

Was treibt Sie an?

Der Ausstoß von Treibhausgasen hat verheerende Folgen für das globale Klima. Das Problem ist weitaus akuter, als wir ursprünglich dachten. Es zu lösen, darf nicht erst in Jahrzehnten geschehen, sondern es muss jetzt geschehen. Nehmen Sie Kalifornien: Es regnet zu wenig, der Niederschlag bleibt aus. Aber neun Prozent unserer Energie wird aus Wasser gewonnen. Deshalb müssen wir schnell handeln, möglicherweise neue Reservoirs bauen. Auch die Flächenbrände haben in diesem Jahr bereits eingesetzt, viel früher als jemals zuvor. Kurzum, wir alle spüren die Folgen des Klimawandels, und zwar links wie rechts, liberal wie konservativ. Es ist ein parteiübergreifendes Problem. Darum bin ich überglücklich, dass die Kalifornier zu hundert Prozent hinter den Maßnahmen meiner Regierung stehen und dass sie auch zu Opfern bereit sind, falls welche notwendig sein sollten. Und die Industrie, die früher immer als Gegnerin der Ökologie galt, finanziert und unterstützt heute die grüne Technologie. Diese Technologie boomt in Kalifornien. Wir haben sie alle zusammengebracht – die Vorstandsvorsitzenden der Ölgesellschaften mit den Umweltschützern. Wir sind wirklich auf dem richtigen Weg hier in Kalifornien.

Wollen Sie die besser aussehende Antwort der Republikaner auf Ex-Vizepräsident Al Gore von den Demokraten sein? Schließlich galt der bislang als Amerikas Ökopapst.

Zunächst einmal: Ich fühle mich etwas unwohl, mit meinen Umweltschutzplänen all die Aufmerksamkeit allein auf mich zu ziehen – obwohl ich Aufmerksamkeit an sich ja ganz gerne habe. Denn es haben so viele Menschen mitgeholfen, heute dort zu sein, wo wir mit dem Umweltschutz in Kalifornien sind. Diese Menschen haben über all die Jahre hart gearbeitet. Natürlich bin ich ganz gut im Vermarkten von Politik, das war ich immer. Und ich kann meine Berühmtheit dafür nutzen, um die Dinge voranzutreiben.

Auch das haben Sie in Hollywood gelernt...

Das habe ich mein ganzes Leben lang gelernt. Ich kann die Umweltschutzpolitik als etwas Hippes präsentieren, im Gegensatz zu dieser schuldbeladenen Ideologie des Bäumchenumarmens. Ich kann der Ökologie einen anderen Spin geben, ihr etwas frische Energie einhauchen. Vor kurzem trat ich als Gast in einer Fernsehshow auf, in der alte Autos mit neuen starken Motoren ausgestattet werden. Und ich zeigte ihnen einen 800 PS starken Motor, der mit Biodiesel angetrieben wird. Dieser biodieselgetriebene Motor emittiert 50 Prozent weniger Treibhausgase und fährt doppelt so weit wie ein herkömmlicher Motor. Meine Botschaft war: Hey, ihr braucht euch nicht von starken Motoren zu verabschieden, ihr braucht nur eine andere Technologie.

Ihre Devise heißt also: stark, groß und trotzdem sauber.

Genau.

Das Klima retten und Spaß haben: Warum sollten die Kalifornier, wie Sie sagten, trotzdem zu Opfern bereit sein?

Die ganz normalen Menschen müssen wissen, dass sie unendlich viel für die Umwelt tun können. Lassen Sie mich ein kleines Beispiel nennen: Es gibt immer noch haufenweise Schriftverkehr, gerade in großen Firmen, der ebenso gut elektronisch abgewickelt werden kann. Das würde tonnenweise Berge von Papier sparen – und Tausende von Lastkraftwagen, die das Papier erst liefern und dann das Altpapier abholen müssen. Ein anderes Beispiel: Wenn Sie regelmäßig den Luftdruck an den Reifen Ihres Wagens kontrollieren, können Sie bis zu 20 Prozent Treibstoff sparen. Durch solche kleinen Dinge – das Licht in leeren Büroräumen ausmachen, aufs lange Duschen verzichten, die Wasserversorgung effizienter machen – können wir alle zur Rettung der Umwelt beitragen, tagtäglich.

Reicht das?

Das zweite Standbein einer guten Umweltschutzpolitik neben der Energieeinsparung ist die grüne Technologie. Vor kurzem war ich in einem Unternehmen, das Energiezellen herstellt, die keine Treibhausgase emittieren. Bald kann jeder eine solche Energiezelle haben, die so klein ist wie meine Faust. Man steckt sie zuerst in sein Auto, um es anzutreiben. Dann nimmt man sie mit nach Hause und versorgt das Haus Tag und Nacht mit Energie. Keine Treibhausgase. Das sind die Dinge, an denen wir arbeiten müssen. Es ist wirklich aufregend, eine neue industrielle Revolution, eine ganz, ganz saubere Revolution, ist im Gange. Und wir in Kalifornien wollen ein Teil davon sein, auch ich als Gouverneur. In dieser Position zu sein und die entsprechenden Entscheidungen treffen zu können – und damit komme ich noch einmal auf Ihre Anfangsfrage zurück –, ist der beste Job, den es gibt. Ich kann mir nichts vorstellen, was aufregender wäre.

Das Gespräch führte Malte Lehming.

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