Politik : Politische Musterbilder für Afrika

Christoph Link

Als erster Präsident von Senegal geht er in die Geschichte ein: 20 Jahre lang hat Léopold Sédar Senghor, der am Donnerstag in Frankreich starb, das westafrikanische Land geführt und es der Demokratie zugeführt.

Kein afrikanischer Staatsmann war wohl so eng mit der Kultur der französischen Kolonialmacht verwurzelt wie Senghor. Geboren 1906 als Sohn eines wohlhabenden Bauern besuchte er eine katholische Missionarsschule und kehrte als junger Mann seiner Heimat für 20 Jahre lang den Rücken, um in Frankreich Karriere zu machen. Das Prädikat "als erster Afrikaner" dies oder jenes geleistet zu haben, begleitete ihn. Als erster Schwarzer bestand er in Paris das Staatsexamen für das höhere Lehrfach, als erster Afrikaner war er Staatssekretär im Kabinett unter Edgar Faure, und als erster schwarzer Schriftsteller wurde er in die Académie Francaise aufgenommen. Senghor stand im Dienste Frankreichs und so nahm er auch als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. Nach dem Krieg wurde er Abgeordneter für den Senegal in der französischen Nationalversammlung. Der enge Freund und Schulkamerad von Georges Pompidou sah seine Stunde gekommen, als Senegal in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Senghor wurde Staatspräsident.

Senegal gilt in Westafrika als Hort der Stabilität, sicher ein Erbe Senghors, dennoch ist seine politische Bilanz nicht unumstritten. Zehn Jahre lang ließ er jede Opposition verbieten. Andererseits hat Senghor politische Zeichen für Afrika gesetzt, indem er etwa sich selbstbewusst als Vermittler im Nahostkonflikt anbot, indem er seine Partei in die Sozialistische Internationale führte und 1974 andere Parteien zuließ - allerdings handverlesene. Fast interessanter als das politische Wirken aber ist Senghors ist Verfechten der "Negritude" in Literatur und Kunst, die im Kern ein Anderssein der Afrikaner beschreibt. Négritude bedeute "Seele als Denken", wie Senghor sagte.

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