• Polizeichef von Ferguson kündigt Rücktritt an: Zwei Polizisten bei Demonstration angeschossen
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Polizeichef von Ferguson kündigt Rücktritt an : Zwei Polizisten bei Demonstration angeschossen

Die Todesschüsse auf den schwarzen Teenager Michael Brown konnte der Polizeichef von Ferguson noch aussitzen. Erst Rassismusvorwürfe an seine Truppe brachen Thomas Jackson das Genick. In der Nacht zu Donnerstag wurden bei Demonstrationen zwei Polizisten angeschossen.

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Vor der Polizeizentrale von Ferguson protestierten am Mittwochabend erneut etwa 150 Menschen.
Vor der Polizeizentrale von Ferguson protestierten am Mittwochabend erneut etwa 150 Menschen.Foto: AFP/Michael B. Thomas

Seit im vergangenen Sommer der weiße Polizist Darren Wilson den schwarzen Teenager Michael Brown erschossen hat, sind sie da. Abend für Abend stehen Demonstranten vor dem Polizeirevier von Ferguson auf der Florissant Avenue Süd. Das ist keine drei Meilen von dem Ort entfernt, an dem Brown starb. In der Nacht zu Donnerstag fielen hier wieder Schüsse. Dieses Mal gingen zwei Polizisten zu Boden. Ihre Verfassung sei ernst, hieß es. Demonstranten und Polizei berichten sehr unterschiedlich über den Verlauf des Abends.

Am Mittwoch hatte der Polizeichef von Ferguson, Thomas Jackson, seinen Rücktritt angekündigt. Unter seiner Aufsicht hatte das Revier Schwarze systematisch schikaniert, wie ein Bericht des US-Justizministeriums kürzlich festgestellt hat. Jacksons Schritt folgt dem des obersten Richters und des Verwaltungschefs von Ferguson. Die Ankündigung brachte diesmal etwas mehr Protest auf die Straße, 100 bis 200 Leute, wie Medien vor Ort berichten. Einige der Demonstranten waren da, um den lang erwarteten Rücktritt zu feiern. Andere forderten nun den Rücktritt von Bürgermeister James Knowles oder die Auflösung der gesamten Polizei von Ferguson.

Es gab am Mittwochabend, wie so häufig in den vergangenen Wochen, kleinere Zusammenstöße zwischen Polizisten in Kampfmonitur und Demonstranten. Die Polizisten vor dem Revier in Ferguson werden längst aus anderen Polizeidistrikten angefordert, damit die Lage nicht eskaliert. Es soll ein paar Festnahmen gegeben haben. Als die Menge nach Mitternacht schon deutlich kleiner geworden war, feuerte plötzlich ein Unbekannter mehrere Schüsse ab.

Die Unruhen in Ferguson - eine Chronologie
Der Tod des 18-jährigen Afro-Amerikaners Mike Brown, der unter ungeklärten Umständen von einem Polizisten erschossen wurde, löste im US-Bundesstaat Missouri eine Welle von Protesten und Ausschreitungen aus. Seit über einer Woche gibt es schwere Ausschreitungen in Ferguson, landesweite Proteste und Diskussionen über den genauen Hergang der Ereignisse, die zum Tod des unbewaffneten Teenagers geführt haben.Weitere Bilder anzeigen
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Die Frage, woher die Schüsse kamen, spaltet nun wieder Bewohner und Polizei. Beobachter, die die „Los Angeles Times“ zitiert, meinen, die Schüsse fielen nicht aus der Menge heraus. Diese seien vielmehr von einem Hügel hinter der südlichen Florissant Avenue abgefeuert worden. „Man konnte nicht einmal sehen, woher die Schüsse kamen“, zitiert die Zeitung einen Journalisten, der in der Menge stand, „Aber man konnte oben auf dem Berg ein Mündungsfeuer erkennen. Die Kugeln flogen direkt an meinem Kopf vorbei.“
Der Polizeichef der gesamten Region St. Louis, Jon Belmar, sagte etwas völlig anderes. „Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, wer geschossen hat“, ließ sich Belmar noch in der Nacht ein, „aber irgendwie waren der oder die Schützen bei der Gruppe von Leuten.“ Die Tatsache, dass die Schüsse parallel zum Boden abgegeben worden seien und eine Gruppe zusammenstehender Polizisten getroffen haben, lege nahe, „dass die Schüsse direkt auf meine Polizisten gerichtet waren“.

Zwar gibt es ein wackeliges Video von der Situation. Aufgenommen ist es vielleicht hundert Meter entfernt vom Geschehen und mit Sicht sowohl auf die Polizei als auch auf die Demonstranten. Es zeigt den Moment der Schüsse. Schmerzensschreie sind zu hören, auch ein hämischer Kommentar. Für Laien jedoch gibt es keinen Aufschluss darüber, woher die Schüsse gekommen sind.
Einen 41-jährigen Polizisten traf ein Schuss an der Schulter, sein 32-jähriger Kollege wurde im Gesicht verwundet. Beide Verletzungen seien ernsthaft, die Polizisten jedoch beide bei Bewusstsein und nicht in Lebensgefahr. „Es ist zu viel Gewalt in unserer Stadt, und diese Vertrauenskrise verunsichert uns alle ungemein“, sagte Belmar.

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