Portät : Lothar Bisky: Ein Parteichef des Ausgleichs

Lothar Bisky gilt als Mann des Ausgleichs und der leisen Töne. Mit Unterbrechungen lenkt er als Vorsitzender die Geschicke der Linkspartei inzwischen seit mehr als zehn Jahren. Der Politiker im Porträt.

Halle/Saale - Ohne seine Integrationskraft hätte sich die umbenannte PDS nach ihrer größten Niederlage bei der Bundestagswahl 2002 in Flügelkämpfen zerrieben, sagen Experten.

Stattdessen führte der jetzt 64-Jährige die PDS in einem Wahlbündnis mit der westdeutschen WASG 2005 als Linkspartei in den Bundestag. Danach unterzeichnete Bisky den Vertrag über eine Vereinigung mit der WASG bis Juni 2007. Darin wurde der Verzicht auf ein konkurrierendes Antreten bei Wahlen festgeschrieben.

Der Pragmatiker Bisky steht für den radikalen Bruch der PDS mit ihrer stalinistischen Vergangenheit als einstige DDR-Staatspartei SED. Dabei überzeugt er eher in kleinen Zirkeln. Ein großer Redner war Bisky nie. So blieb der ehemalige Rektor der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen in der Außenwirkung immer im Schatten des Rhetorikers Gregor Gysi. Bis heute sieht sich Bisky selbst eher als einen «in der Politik vagabundierenden Wissenschaftler».

Den Aufstieg vom Vizepräsidenten des brandenburgischen Landtags (seit 2004) zu einem des Bundestags blieb ihm versagt. Gleich drei Mal verweigerten ihm im Reichstag die anderen Fraktionen die nötige Mehrheit. Dabei holte ihn nach Aussagen aus Union und SPD der Verdacht einer Stasi-Zusammenarbeit ein. Bisky bestritt dies stets. Er habe Kontakte zum DDR-Ministerium für Staatssicherheit gehabt, aber nie Menschen bespitzelt und verraten.

Der gebürtige Pommeraner wuchs als Flüchtlingskind in einem schleswig-holsteinischen Dorf bei Eckernförde auf. Als 18-Jähriger siedelte Bisky freiwillig in die DDR über, weil er für sich keine Entwicklungschancen im Westen sah. Mit 22 Jahren trat er in die SED ein. Nach dem Studium der Philosophie und Kulturwissenschaften in Berlin und Leipzig schlug er eine wissenschaftliche Karriere ein. Bisky ist verheiratet und hat drei Söhne. (tso/dpa)

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