Porträt : Kajo Wasserhövel - Münteferings Mann für alle Fälle

Berlin - Karl-Josef Wasserhövel, genannt Kajo, galt nicht gerade als Prototyp für das Rampenlicht - eher schon als «graue Eminenz» von Franz Müntefering, für den er viele Strippen zog und gelegentlich auch unangenehme Aufgaben erledigte.

Mit der schweigsamen Rolle im Hintergrund dürfte es bald vorbei sein. Nach dem Machtwort des Parteichefs zweifelt auch in der SPD kaum noch jemand richtig daran, dass der 43-Jährige trotz Murrens der SPD-Linken in drei Wochen auf dem Parteitag in Karlsruhe zum bislang jüngsten SPD-Generalsekretär gewählt wird. Mit einem überragenden Ergebnis kann Wasserhövel nach derzeitigen Stand kaum rechnen. Viel wird davon abhängen, ob er in seiner Bewerbungsrede ein überzeugendes Konzept präsentiert, wie die Partei in einer großen Koalition auch als eigenständige Kraft sichtbar bleibt.

Zumindest erste vorsichtige Schritte, um aus dem langen Schatten Münteferings herauszutreten, waren bereits im Bundestags-Wahlkampf spürbar. Erstmals trat der Computer-Fan selbst im Fernsehen auf und motivierte die Mitarbeiter in der Kampa mit regelmäßigen Ansprachen. Auch viele, die dem Bundesgeschäftsführer die Wahlkampf-Leitung nicht zutrauten, mussten hinterher ihr Urteil revidieren.

Ähnlich wie der Sauerländer Müntefering wuchs Wasserhövel in der SPD-Diaspora auf, dem Münsterland. Nach dem Schulbesuch in Bocholt und dem Geschichts-Studium in Münster kam er 1995 zu Müntefering, zunächst als Redenschreiber im Düsseldorfer Arbeitsministerium. Seitdem wich er auf den wechselnden Stationen von Bonn nach Berlin nicht von dessen Seite. Wasserhövel ist verheiratet und hat zwei Kinder. (tso/dpa)

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