Porträt : Matthias Platzeck - Hoffnungsträger der SPD

Potsdam - Matthias Platzeck wird in der SPD seit langem als hoffnungsvolle Nachwuchskraft gehandelt. Doch nach seinen Ambitionen auf ein Regierungsamt in Berlin gefragt, wurde Platzeck nie müde zu wiederholen: «Ich bleibe auf jeden Fall hier.» Jetzt will er auf dem SPD-Bundesparteitag im November für das Amt des stellvertretenden SPD-Vorsitzenden kandidieren.

Seit 2002 ist der gebürtige Potsdamer Regierungschef in Brandenburg. Und seit dem Oder-Hochwasser im Jahr 1997 hat Platzeck - damals Umweltminister - einen guten Ruf und den Spitznamen «Deichgraf». Zuletzt war Platzeck sogar als Außenminister und Vizekanzler einer großen Koalition in Berlin gehandelt worden. Dahinter steckte wohl das Ziel, ihn als SPD-Kanzlerkandidaten für 2009 aufzubauen. Er ging auf das Angebot nicht ein. Und heute sagt er: «2009 ist vor allem eines - ganz weit weg.»

Der 51-Jährige - in diesem Monat noch amtierender Bundesratspräsident - verordnete Brandenburg nach der Landtagswahl 2004 einen neuen Aufbruch. Die Schwerpunkte der von ihm geführten Koalition mit der CDU sieht der populäre Regierungschef in Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft. Im Zentrum steht dabei der Kampf gegen die Überalterung der Gesellschaft.

Den Reformkurs der rot-grünen Bundesregierung hat Platzeck immer verteidigt, das brachte ihm den Respekt des Kanzlers ein. Gerhard Schröder nennt ihn gern öffentlich seinen Freund.

Bei Wahlen kann sich die SPD auf den jugendlich wirkenden Landesvater verlassen: 2004 verhinderte Platzeck trotz heftigen Gegenwinds in Brandenburg knapp einen Sieg der PDS und konnte danach weiterregieren. Der stark auf ihn personalisierte Landeswahlkampf macht Platzeck wohl auch attraktiv als Hoffnungsträger für die Bundes-SPD. Platzeck setzte sich auch trotz der vielen Diskussionen um Hartz IV durch. Bei der Bundestagswahl am 18. September blieb die SPD mit Abstand stärkste Kraft.

Platzeck ist geschieden und hat drei Töchter. Bei öffentlichen Auftritten wird er oft von seiner Lebensgefährtin begleitet. Das Studium an der TU Ilmenau schloss er als Diplomingenieur für biomedizinische Kybernetik ab. 1990 war er für Bündnis 90 Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer, später parteilos wurde er schließlich SPD-Mitglied. Er ist Vorsitzender des Forums Ost der SPD. (Von Matthias Schröter, dpa)

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