Präsident Baschar al Assad : Der syrische Despot kämpft ums Überleben

Mit Gewalt versucht Syriens Präsident Baschar al Assad seine Macht zu sichern. Die internationale Staatengemeinschaft hofft, beim Gipfel am Freitag in Wien eine Wende in dem Bürgerkriegsland einzuleiten.

Baschar al Assad wurde am 11. September 1965 in Damaskus geboren. Er gehört der religiösen Minderheit der Alawiten an. picture alliance / dpa
Baschar al Assad wurde am 11. September 1965 in Damaskus geboren. Er gehört der religiösen Minderheit der Alawiten an.Foto: picture alliance / dpa

Dass sich ausgerechnet Syriens Präsident Baschar al Assad nach dem Arabischen Frühling an der Macht hält und diese mit äußerster Brutalität verteidigt, hätte Anfang 2011 wohl niemand gedacht. Denn die Staatsführung in Syrien übernahm der Mediziner einst nur ungern. Heute bekämpft der 50-jährige - unterstützt von Russland und dem Iran - seine Gegner in einem grausamen Bürgerkrieg mit international geächteten Fassbomben.

Assad wurde am 11. September 1965 in Damaskus geboren. Er gehört der religiösen Minderheit der Alawiten an, einer schiitisch-muslimischen Glaubensrichtung. Nach der Schulausbildung studierte er Medizin, spezialisierte sich auf Augenheilkunde und ging nach London. In Großbritannien ist auch seine Frau Asma - Tochter eines syrischen Herzchirurgen - geboren und aufgewachsen. Das Paar hat drei Kinder.

Als Nachfolger seines Vaters Hafis al Assad, der Syrien 30 Jahre lang mit eiserner Faust regierte, war Baschar eigentlich nicht vorgesehen. Doch der ältere Assad-Sohn Basil, der beim Militär Karriere machte, starb 1994 bei einem Autounfall. Der politisch unerfahrene Baschar wurde nach Syrien zurückbeordert, wo er die militärische Ausbildung im Schnelldurchlauf absolvierte.

Nach dem Tod des Vaters 2000 wurde er neuer Präsident

Nach dem Tod des Vaters am 10. Juni 2000 wurde er mit 97,29 Prozent der Stimmen zum neuen Präsidenten gewählt. Zuvor hatte das Parlament das Mindestalter für das Präsidentenamt von 40 auf 34 Jahre gesenkt. Oppositionelle und Menschenrechtler hofften nach seinem Amtsantritt auf einen politischen Frühling in Damaskus. Doch nach ersten zaghaften Liberalisierungsschritten beugte er sich dem Einfluss der alten Garde seines Vaters und machte mit Hilfe des berüchtigten Geheimdienstes seine Kritiker mundtot.

Am 18. März 2011 begannen die Massendemonstrationen gegen seine Herrschaft, die er blutig niederschlagen ließ. Wie schon sein Vater rund 30 Jahre zuvor, versuchte er mit einem massiven Militäreinsatz den Aufstand im Keim zu ersticken. 1982 hatte Hafis al-Assad die rebellische Stadt Hama bombardieren lassen, die eine Hochburg der verbotenen sunnitischen Muslimbruderschaft war. Drei Wochen dauerte die Niederschlagung der Rebellion, weit über 10.000 Menschen kamen ums Leben. Dann war der Widerstand gebrochen. Viele überlebende Oppositionelle wurden eingekerkert, die Führung der Muslimbrüder floh ins Exil.

Nach wenigen Monaten wurde aus friedlichen Protesten ein Bürgerkrieg

Doch diesmal ging die Rechnung des autoritären Herrschers nicht auf, der seine Gegner bereits zu Zeiten friedlicher Proteste als „Terroristen“ diffamierte. Forderten die Demonstranten anfangs vor allem Freiheit und Rechtstaatlichkeit, führte das brutale Vorgehen des Regimes zu einer Radikalisierung der Opposition. Vermieden Assad-Gegner zunächst religiöse Parolen, skandierten später angesichts der blutigen Gewalt gegen Zivilisten immer mehr Demonstranten auch Sprüche wie: „Alawiten in den Sarg, Christen nach Beirut.“

Es dauerte nur einige Monate, bis aus den friedlichen Protesten ein Bürgerkrieg wurde. Der Konflikt galt zudem zunehmend als Krieg zwischen sunnitischen und schiitischen Muslimen - und Assad konnte sich als Schutzpatron von Christen und Alawiten präsentieren und den Krieg als Kampf ums Überleben darstellen. Das gelingt ihm umso mehr, seit die sunnitisch-dschihadistische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) große Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hat.

Der Machthaber kann sich nach wie vor auf seine alten Verbündeten verlassen

Vor dem Arabischen Frühling wurde der Anteil der Sunniten in Syrien auf 74 Prozent beziffert, der der Christen auf zehn Prozent und der der Alawiten auf etwa zwölf Prozent. Solange letztere keine Alternative aus den eigenen Reihen haben, unterstützen sie weiterhin Assad. Und der Machthaber kann sich - noch - auf seine alten Verbündeten verlassen: Russland, Iran und die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah halten dem Regime die Treue, das ihnen strategisch wichtige Stützpunkte oder Versorgungswege garantiert.

Vizekanzler Sigmar Gabriel hofft darauf, das Russland sich bewegt

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sagte nun am Donnerstag nach einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin, er sehe auf russischer Seite Bereitschaft für eine politische Lösung des Syrienkonflikts. Putin habe deutlich gemacht, dass er an einem dauerhaften militärischen Engagement in der Region kein Interesse habe, sagte Gabriel nach einem zweistündigen Gespräch mit dem Kremlchef in dessen Residenz bei Moskau. Die Zusammenarbeit der russischen Führung mit dem Regime in Syrien bezeichnete er als „Riesenproblem“. „Jede Bombe, die dort fällt, kostet Menschenleben und setzt viele Flüchtlinge in Bewegung.“

Vor dem Syrien-Gipfel in Wien an diesem Freitag sagte Gabriel, er sehe das Bürgerkriegsland noch weit entfernt von einer politischen Lösung. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man die jetzige Regierung an den Verhandlungen beteiligen muss, und dass gleichzeitig klar sein muss, dass das System, das heute dort herrscht, auf Dauer keine Chance hat.“ Angesichts der vielen „regionalen und religiösen“ Konfliktparteien in Syrien sei Assad aber nicht das einzige Problem. „Selbst wenn er morgen weg wäre, wäre der Konflikt nicht beendet.“ (dpa)


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