• Präsidentenwahl in Ungarn: Ferenc Madl neues Staatsoberhaupt - Einigung erst im dritten Wahlgang

Politik : Präsidentenwahl in Ungarn: Ferenc Madl neues Staatsoberhaupt - Einigung erst im dritten Wahlgang

Paul Kreiner

Erst im dren Anlauf ist der konservative Rechtsprofessor Ferenc Madl am Dienstag vom ungarischen Parlament zum neuen Staatspräsidenten des Landes gewählt worden. In der geheimen Abstimmung stimmten 243 Abgeordnete für Madl und 96 gegen ihn; zwölf Wahlzettel waren ungültig. Madl hatte keinen Gegenkandidaten. In den ersten beiden Wahlgängen verfehlte er die nötige Zweidrittel-Mehrheit des 386-köpfigen Parlaments, im dritten reichte die einfache Mehrheit.

Schon vor Wochen, als der konservative Ministerpräsident Viktor Orbán seinen engen Berater als Wunschkandidaten präsentiert hatte, stimmte die Opposition aus Sozialisten und Freidemokraten geradezu begeistert zu. Und ganz Ungarn richtete sich darauf ein, dass Mádl bereits im ersten Wahlgang so triumphieren würde, wie der amtierende Staatspräsident, der beliebte Literat Arpad Göncz, bei seiner Wiederwahl vor fünf Jahren.

Warum es anders kam, ist in der aufgewühlten Stimmung des Augenblicks schwer herausinden. Die Bürgerlichen um Orbán bezichtigen die Sozialisten des Wortbruchs; die Sozialisten sprechen von tiefen Gräben innerhalb der Regierungskoalition. Zwei Hypothesen kursieren. Der ersten zufolge hielt es tatsächlich eine Reihe von Oppositionellen nicht für angebracht, dem ansonsten rücksichtslosen Machtpolitiker Orbán einen Prestigegewinn zu verschaffen. Der zweiten zufolge waren Orbáns Regierungspartner, die Kleinlandwirte, unglücklich darüber, dass ihr eigener Parteichef wider alles Erwarten nicht kandidieren durfte.

Ferenc Madl wiederum wurde von Anfang an zugetraut, die immer tieferen Gräben zwischen den Lagern zu überbrücken. In seinen ersten Wortmeldungen setzte er sich für einen friedlicheren, im Ton gemäßigteren Umgang zwischen Regierung und Opposition ein. Ferner will er in seinem laut Verfassung nur repräsentativen Amt eine Art "moralischer" Präsident sein, gegen die Armut im Lande Stellung beziehen und sich für Minderheiten, insbesondere die Roma, einsetzen.

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