Politik : Pressestimmen aus dem Ausland zur Rettung des Baukonzerns

Die britische Wirtschaftszeitung "The Financial Ti

Die britische Wirtschaftszeitung "The Financial Times" kommentiert die Intervention von Schröder im Falle Holzmann

"Schröder verdient keinen Beifall. Sein Flug nach Frankfurt zu Krisengesprächen mit Gläubigern war nicht nur lächerlich, sondern auch beunruhigend. Er lässt vermuten, dass Schröder nicht nur willens ist, Parteipolitik mit Unternehmen zu betreiben, sondern dass auch seine vorgebliche unternehmensfreundliche Politik nur altmodischer Interventionismus ist, der mit modernistischer Rhetorik getarnt wird. (...) In einer Branche, die mit Überkapazitäten kämpft und keine Schranken gegen neue Wettbewerber hat, hätte das Überleben Holzmanns allein wirtschaftlich durch seine Gläubiger und den Markt entschieden werden müssen. (...) Schröder mag glauben, dass er, wenn die EU den von ihm eingefädelten Deal blockiert, einen Sündenbock vorweisen kann. Kurzfristig mag er damit politisch seine Haut retten. Aber dieses Taktieren sollte unter der Würde eines Kanzlers sein. Es wäre schlecht für Europa, schlecht für Deutschland und ein schlechtes Geschäft."

Die französische Wirtschaftszeitung "Les Echos" schreibt

"Schröder hat sein Spiel gewonnen. Angesichts der Emotionen, die der Beinahe-Zusammenbruch des Holzmann-Konzerns geschürt hat, entschloss sich der Kanzler, persönlich einzugreifen - ein bisher beispielloser Vorgang in Deutschland. Schröder wusste, dass viel auf dem Spiel stand, nachdem seine Regierung seit ihrem Amtsantritt eine Niederlage nach der anderen eingefahren hat. Nun besteht kein Zweifel, dass er mit diesem Verhandlungserfolg das Wahlvolk wieder für sich gewinnen kann. Die Wähler hatten sich wegen der neoliberalen Positionen der SPD abgewendet, die im März übrigens auch zum Rücktritt von Finanzminister Oskar Lafontaine führten."

Die Wirtschaftszeitung "La Tribune" aus Paris meint

"Dies ist ein enorm wichtiger Erfolg für den deutschen Kanzler kurz vor einem SPD-Parteitag, der sehr schwierig zu werden verspricht. Es stand viel auf dem Spiel, zumal der Beliebtheitsgrad Schröders bei den Arbeitern, die das wesentliche Wählerpotenzial der SPD sind, so niedrig ist wie nie zuvor. Schröder war zu allem bereit, um die Rolle des Retters spielen zu können - eine Rolle, die er übrigens auswendig kennt, seitdem er in Niedersachsen auf ähnliche Weise die Arbeitsplätze gerettet hat."

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