Probleme in der Union : Das Zündeln der CSU - früher und heute

CSU-Chef Horst Seehofer hat ein bundesweites Antreten seiner Partei nicht ausgeschlossen. Dieser Vorstoß der CSU kommt nicht zum ersten Mal. Eine Innenansicht.

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Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU).
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU).Foto: dpa

CDU und CSU - eine Schwesternbeziehung. Wie es halt so ist, im wirklichen Leben, gibt es auch da zuweilen Streit. Ein Insider erinnert sich. Er war zur Zeit des Kreuther Trennungsbeschlusses, also des CSU-Beschlusses, die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Bundestag aufzukündigen, ganz dicht dran. Auch räumlich. Nicht im Zentrum des Geschehens, aber in der Mitte der Ereignisse. Mehr soll nicht verraten werden. Die CSU zu beobachten, war damals für jeden spannend. Denn der Trennungsbeschlusses erregte, logischerweise, alle Gemüter.

Die Ausdehnung der christlich-sozialen Union Schiiten bevorzustehen. Wie würde der christlich-demokratische Teil reagieren? Unser Insider erklärt, die die Initiative von Franz Josef Strauß, dem seinerzeitigen Parteichef, sei eigentlich sofort in sich zusammen gebrochen. Einige in den Planungsstäben und Thinktanks der CDU machten sofort Planspiele, wen man für eine CDU-Ausdehnung gewinnen könnte. Darunter waren auch liberale CSU-Mitglieder, die entschieden gegen eine Trennung waren. Schon Knete, ernsthafte Pläne zur Ausdehnung gab es nicht, sagt der Insider.

Aber aufgrund der unterschiedlichen Verankerung in Franken, wegen der regionalen Besonderheiten, Mentalitäten und Kulturen - mit dem Protestantismus in Mittelfranken - konnte die CDU ausgehen, dass die absolute Mehrheit der CSU in Bayern fallen würde. Es gäbe dann, so lautete die Überlegung, einen "Bruder-, Schwesterkampf", mit einem gewaltigen Schaden für die CSU. Allein die Drohung brachte die CSU zum Einknicken.

So wie einst Strauß

Die Landesgruppe der CSU war gegen die Ausdehnung, und CSU-Landtagsabgeordnete  können rechnen. Sie wussten, berichtet der Insider, der damals viele Gespräche auch in München führte, was eine Ausdehnung der CDU nach Bayern in Franken, aber auch bei liberalen CSU-Wählern bedeuten würde. Die CDU hätte der CSU auch in den größeren bayrischen Städten erhebliche Stimmen abgenommen. Es war außerdem davon auszugehen, dass die CDU auch SPD-Stimmen gewonnen hätte.

Wenn es auch keinen Plan für eine CDU in Bayern gab, eine Dokumentation wurde aber angelegt. Und es gab eine Dokumentation eine Pressekonferenz von Heiner Geißler, dem vormaligen, legendären Generalsekretär. Eine Stellungnahme von Helmut Kohl brauchte es nicht, Die Drohung Geißlers reichte. Strauß rollte die weiß-blaue Fahne schnell wieder ein, sagt der Insider, aber dessen Wut auf Geißler stammte auch von daher.

Das Zündeln der CSU ist auch jetzt wieder zu erleben. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer versucht es: mit dem Hinweis auf die Fraktionsgemeinschaft, mit der Androhung einer Klage beim Bundesverfassungsgericht, den Forderungen nach einer Obergrenze. Da weht die weiß-blaue Fahne. Aber sein Finanz- und Heimatminister Markus Söder, der ihn beerben will, ist Franke. Und Landtagsabgeordneter. Und kann rechnen.

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