Projekt gegen Wüstenbildung : Eine Mauer, die verbinden soll

Die Afrikanische Union will eine Mauer aus Bäumen entlang der Sahara errichten, um die Wüstenbildung aufzuhalten – ein Großprojekt, an dem sich die EU finanziell beteiligt. Der EurActiv-Kooperationspartner El País – Planeta Futuro berichtet.

Carlos Laorden
Die nordöstliche Sahara im Hochplateau von Gilf Kebir in Ägypten. Foto: picture-alliance/ dpa
Die nordöstliche Sahara im Hochplateau von Gilf Kebir in Ägypten.Foto: picture-alliance/ dpa

Es ist ein Vorhaben, das dem Bau der Chinesischen Mauer und der Wand aus Eis der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ gleichkommt. Der Wall schützt die Bewohner des fiktiven Kontinents Westeros vor dem Schrecken aus dem Norden. Die "Grüne Mauer" ist Afrikas Lösungsansatz im Kampf gegen die rasant wachsende Sahara-Wüste. Geplant ist eine Wand aus Pflanzen, die sich vom Senegal an der Atlantikküste bis hinüber nach Dschibuti am Golf von Aden erstrecken soll.

2007 nahm die Afrikanische Union (AU) das Projekt offiziell in Angriff. Seit der britische Umweltaktivist Richard St. Barbe Baker in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts erstmals den Vorschlag unterbreitet hatte, war das Vorhaben über Jahrzehnte hinweg unentwegt diskutiert worden. Ziel ist es, der zunehmenden Verschlechterung der Bodenqualität und Wüstenbildung in den lokalen Gemeinden von 14 Ländern entgegenzuwirken. Die 15 Meter breite Mauer ist Teil eines Entwicklungsprogrammes in den Staaten der Subsahara. Durch das Programm wurden bereits viele Ideen in andere Teile der Welt, wie nach Haiti und auf die Fidschi-Inseln, exportiert.

Um den Fortschritt des Projekts und die bestehenden Herausforderungen bewerten zu können, werden sich die beteiligten Länder in der kommenden Woche in der senegalesischen Hauptstadt Dakar treffen. Dort soll der bisherige Stand des „nächsten Weltwunders“ vorgestellt werden. Die in den Bau involvierten Staaten machen sich allerdings keine Illusionen. Sie wissen, dass das Projekt keine Patentlösung gegen die Wüstenbildung ist.

„Länder wie der Senegal haben bereits viele neue Bäume gepflanzt. Jetzt kommt man jedoch an einen Punkt, wo das nicht mehr ausreicht“, sagte Nora Berrahmouni von der UN-Welternährungsorganisation (FAO). Gemeinsam mit der EU-Kommission und der Weltbank beteiligt sich die UN-Organisation an dem Großprojekt.

Bevölkerung vor Ort soll sich selbst um die "Grüne Mauer" kümmern

In Burkina Faso, Mali und im Niger arbeitet man daran, essbare oder medizinisch nutzbare Pflanzen zu verwenden. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt dabei auch auf der Reinhaltung des Wassers. Projekte wie die der FAO konzentrieren sich vor allem auf lokale Pflanzenarten, die an das Klima und die regionalen Bedingungen angepasst sind. Insgesamt finden auch traditionelle Bepflanzungs- und Bewirtschaftungstechniken Anwendung, damit die lokale Bevölkerung nach Fertigstellung in der Lage ist, sich selbst um die "Grüne Mauer" zu kümmern.

Kritik wird angesichts der Frage laut, ob ein derartiges Riesen-Projekt wie die „Grüne Mauer“ geeignet ist, um der Ausdehnung der Sahara Einhalt zu gebieten: Angesichts der großen landschaftlichen, ökologischen und kulturellen Unterschiede zwischen dem Westen und dem Osten des Kontinents werden Zweifel an dem Projekt laut.

Die Befürworter des Plans verweisen darauf, dass es natürlich auch Zusatzprojekte geben wird. Außerdem werde die Einbeziehung lokaler Gemeinden dazu führen, dass die bedürftigsten Menschen eine Möglichkeit geboten bekommen, sich und ihre Familien zu ernähren. Die Wüstenbildung zu bekämpfen, hieße, Flora und Fauna zu schützen. Auch ein Anstieg im Ökotourismus sei als positiver Nebeneffekt zu erwarten.

Das Paradoxe an der Mauer ist, dass sie nicht errichtet wird, um Länder voneinander zu trennen, sondern um sie zu vereinen. Entlang der Grenze zwischen Mali und dem Niger achten viele Gemeinden schon gar nicht mehr auf die nationalen Begrenzungen. Sie arbeiten Hand in Hand an Bepflanzungs- und Wasserschutzprogrammen. Die sich aus den Entwicklungsprojekten ergebenden Chancen bedeuteten, dass man endlich die Fluchtursachen bekämpfe, erklärt die UN-Expertin für Landnutzung, Camilla Nordheim-Larsen.

UN-Statistiken zufolge könnten Wüstenbildung und Klimawandel in den nächsten fünf Jahren 60 Millionen Afrikaner aus ihrer Heimat vertreiben. Bis 2025 dürften nach bisherigem Stand zwei Drittel des fruchtbaren Bodens verloren gehen. „Die 'Grüne Mauer' wird die Widerstandsfähigkeit der lokalen Gemeinden stärken und jungen Menschen einen Grund geben, zu bleiben“, hofft Nordheim-Larsen.

Übersetzung: Jule Zenker

Erschienen bei EurActiv. Das europapolitische Onlinemagazin EurActiv und der Tagesspiegel kooperieren miteinander.

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