PRORA : Koloss von Rügen

Viele Jahre waren Schwalben und Fledermäuse seine einzigen Bewohner: Prora auf Rügen ist ein gigantisches Baudenkmal deutscher Geschichte. Von den Nazis als „Kraft durch Freude“- Seebad geplant und nie beendet,

wurden einzelne Abschnitte des

4,5 Kilometer langen Gebäuderiegels im zweiten Weltkrieg als Kriegslazarett, in der DDR als NVA-Kaserne und nach 1989 als Jugendherberge und Museumsstandort genutzt. Lange Zeit fanden sich keine Investoren für die verfallende Immobilie. Doch seit 2004 wurde der Großteil des Gebäudes in schneller Folge vom Bundesvermögensamt verkauft. Die Blöcke 1 und 2 wurden im September 2006 von der Prora

Entwicklungsgesellschaft gekauft. Geplant ist der Umbau zu Ferien-, Miet-, und Eigentumswohnungen: Für das Erdgeschoss ist eine Mischung aus Kultur, Kunst, Gastronomie, Kleingewerbe und Einkaufsmöglichkeiten geplant.

Der am besten erhaltene Block 3 wurde im August 2004 an die Inselbogen GmbH verkauft. Sie plant ein Jugendsporthotel, ein neues historisches Museum zur Geschichte Proras mit Beteiligung des im Gebäude ansässigen Dokumentationszentrums der Stiftung Neue Kultur, die Einbindung dreier ansässiger Künstlerateliers sowie ein neues Eventcenter mit Disco und Theater. Für die umstrittene Neuplanung mussten bereits mehrere Mieter der ehemals ansässigen „Museumsmeile“ weichen: „Wasserwelt“, „Proramuseum“, „Planet DDR“ sowie das Jugendcamp „One World Camp“ schlossen ihre Pforten.

Block 4 ist noch Eigentum des Bundes. Der Gebäudeabschnitt soll nächstes Jahr verkauft werden. Eine mögliche Nutzung ist bislang offen.

Block 5 wurde im November 2006 an den Landkreis Rügen verkauft. Eine Hälfte soll mit finanzieller Unterstützung vom Bund, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der EU bis 2010 zu einer vom Deutschen Jugendherbergswerk geführten Herberge mit 500 Betten umgebaut werden. Ein Jugendzeltplatz mit 250 Plätzen wurde bereits am 21. September 2007 eröffnet.

Die Ruinen von Block 6 und das 77

Hektar große Areal mit angrenzendem Waldstück wurden im September 2004 von der in Liechtenstein ansässigen Firma Uniconsulta ersteigert. Das telefonische Gebot, das mit 625 000 Euro das Mindestgebot um das Fünffache überstieg, sorgte für zahlreiche Spekulationen. Denn das Gelände ist für Baumaßnahmen aus Denkmal- und Naturschutzgründen nutzlos. Das Unternehmen, das als Anstalt für Marktforschung auftritt, beantwortet keine Fragen zum Nutzungskonzept oder zur Firma. ely

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