Politik : Prostituierte: Sperrbezirke sollen fallen

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Rot-Grün will sich mit der gesetzlichen Besserstellung von Prostituierten nicht zufriedengeben. "In einem zweiten Schritt werden wir die Sperrbezirke abschaffen", kündigte die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Irmingard Schewe-Gerigk, am Mittwoch in Berlin an.

Die von der Bundesregierung angestrebte Gesetzesänderung sieht zunächst vor, die Sittenwidrigkeit der Prostitution abzuschaffen und die Sozialversicherungen für Huren zu öffnen. Ein entsprechender Entwurf wurde von den Bundestagsfraktionen von SPD und Grünen am Dienstag einstimmig gebilligt. Er soll nun am Freitag im Bundestag diskutiert werden.

"Die Doppelmoral, dass Prostituierte Steuern zahlen, aber nicht abgesichert sind, hat ein Ende", sagte die SPD-Politikerin Anni Brandt-Elsweier. Sie verteidigte die neue Regelung, nach der Prostitution weiterhin als Sonderberuf gilt. "Bei einem normalen Beruf könnten Freier eine Dienstleistung einklagen", erklärte Brandt-Elsweier. "Zudem müsste es dann eine Ausbildung geben", erklärte die SPD-Politikerin.

Nach Verabschiedung des Gesetzes will sich die rot-grüne Bundesregierung für die Abschaffung der Sperrbezirke einsetzen. Bislang werden in vielen Bundesländern Prostituierte in bestimmte Straßenzüge verdammt - mit dem Ergebnis, dass diese Reviere unter Zuhältern aufgeteilt werden. Da diese Regelung aber Ländersache und eine Mehrheit im Bundesrat fraglich ist, hat Rot-Grün das Thema vertagt.

Derzeit arbeiten etwa 400 000 Frauen in Deutschland als Huren, die Hälfte von ihnen kommt aus dem Ausland. Prostituierte, die illegal in der Bundesrepublik leben, profitieren nicht von der neuen Regelung. Die Grünen-Politikerin Schewe-Gerigk: "Hier ist die Einwanderungskommission der Bundesregierung gefragt."

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