Politik : Proteste gegen Bush vor Amerika-Gipfel

Michael Schmidt

Berlin - Bush kommt. In Mar del Plata wird er schon erwartet: Tausende Globalisierungsgegner wollen dem US-Präsidenten in dem argentinischen Seebad einen heißen Empfang bereiten. 34 Staats- und Regierungschefs werden hier zum vierten Amerika-Gipfel am Freitag und Samstag eintreffen – der Gegen-„Gipfel der Völker Amerikas“ mit Argentiniens Fußballstar Maradona an der Spitze hat schon begonnen. Die Demonstrationen zeigen vor allem zweierlei: Das Ansehen des großen Nachbarn im Norden ist südlich des Rio Bravo auf einem Tiefpunkt angelangt. Und die Frage nach der richtigen Strategie zur Bekämpfung der Armut, Hauptthema des Gipfels, wird ausgesprochen strittig behandelt werden.

Die Kluft zwischen Arm und Reich in Amerika ist so tief wie vor 25 Jahren. Nach UN-Angaben leben über 40 Prozent aller Lateinamerikaner unter der Armutsgrenze: 220 Millionen Menschen. Sie werden von den „Präsidenten Taten verlangen, damit die Kinder nicht mehr an Armut sterben“, sagte der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel zur Eröffnung des Gegen-Gipfels am Dienstag. Dabei favorisieren die USA den Freihandel, Investitionsförderungen und die Korruptionsbekämpfung. Die Lateinamerikaner hingegen setzen mehrheitlich auf eine starke Rolle des Staates bei der Umverteilung des Reichtums, ein Ende des Agrarprotektionismus der Industrieländer und eine stärkere Integration des Südkontinents, wirtschaftlich, politisch und sozial. Mit besonderer Spannung wird daher das Aufeinandertreffen von Bush und dem links-populistischen Staatschef von Venezuela, Hugo Chávez, erwartet, die prototypisch für die jeweiligen Positionen stehen. Chávez will dem US-Plan einer Freihandelszone von Alaska bis Feuerland sein unter Lateinamerikas Staatschefs zunehmend populäres Integrationsprojekt einer „Bolivarianischen Alternative für Amerika“ entgegensetzen. Und das schon auf dem Gegengipfel. Dabei wird er sich auch die Forderung Esquivels zu Eigen machen, der den USA eine „Kultur des Todes“ vorwirft. „Unsere Völker brauchen keine Armeen, schon gar keine nordamerikanischen“, sagt Esquivel. Lateinamerika benötige „Gelder für Gesundheit und Bildung, für das Leben und nicht für den Tod“.

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