Politik : Prozess: Übertreibungen

Robert Birnbaum

Der WDR-Filmbeitrag "Es begann mit einer Lüge", den der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic zu seiner Entlastung anführt, hat seit seiner ersten Ausstrahlung am 8. Februar 2001 heftige Debatten ausgelöst. Die Kernthese: Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) habe eine drohende humanitäre Katastrophe im Kosovo an die Wand gemalt, um eine Rechtfertigung für den Krieg zu haben. Tatsächlich habe es von Scharping ins Feld geführte Massaker, KZ-artige Gefangenenlager oder einen "Hufeisenplan" Belgrads zur systematischen Vertreibung der Kosovo-Albaner nicht gegeben.

Die Politik reagierte - parteiübergreifend - mit dem Tenor "Machwerk". Zwar deutet beispielsweise einiges darauf hin, dass etliche "Massaker"-Opfer in Wahrheit getötete UCK-Kämpfer waren. Doch so sehr Scharping übertrieben haben mag, so sehr gilt die These des "Lüge"-Beitrags den meisten Fachleuten als Übertreibung in die andere Richtung: Dass es Gräueltaten und Vertreibung gab, ist durch internationale Untersuchungen gut belegt.

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