Putsch in Thailand : Militärchef erhält Regierungsauftrag

Drei Tage nach dem Militärputsch in Thailand hat König Bhumibol Militärchef Sonthi Boonyaratglin offiziell den Regierungsauftrag erteilt.

Bangkok - In einer vom thailändischen Fernsehen übertragenen Zeremonie verlas ein Militäroffizier einen königlichen Erlass, in dem Generalstabschef Sonthi als Führer des neuen Militärregierungsrats anerkannt wird. Der Armeechef nahm die Ernennung in einer weißen Uniform entgegen. Anschließend kniete er nieder und verneigte sich tief vor einem Bild des Königs.

Am dritten Tag nach ihrem Putsch haben die thailändischen Militärs die Entmachtung von Anhängern des abgesetzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra fortgesetzt. Ein Militärsprecher sagte, die Waffen der Wächter in den Nationalparks würden eingezogen. Umweltminister Yongyuth Tiyapairat, der zu den Getreuen Thaksins zählte, wurde festgenommen. Yongyuth hatte tausende Wächter in den Nationalparks mit Schusswaffen augestattet. Thaksin, der sich inzwischen in London aufhält, ließ erklären, er werde sich künftig aus der Politik heraushalten. Die Thailänder sollten sein "Hauptziel der nationalen Versöhnung" nicht aufgeben, forderte Thaksin.

Ermittlungen wegen Korruption

Die Staatsanwältin Jaruvan Maintaka nahm Ermittlungen auf, um die Korruptionsvorwürfe der Putschisten gegen Thaksin und seine Vertrauten aufzuklären. Es gehe um hohe Millionenbeträge, sagte Jaruvan. Am schnellsten werde voraussichtlich ein Bestechungsskandal im Zusammenhang mit dem Kauf von Durchleuchtungsgeräten am Flughafen von Bangkok aufgeklärt werden können.

In einer im Fernsehen verlesenen Erklärung ließ die Armee mitteilen, so lange Unter- und Oberhaus nicht arbeiteten, werde die provisorische Militärführung Gesetze genehmigen. Dies sei "im Interesse des Landes". Die Armeeführung verbot zudem jegliche politische Aktivität im Lande. Die Parteien könnten ihre Tätigkeit wieder aufnehmen, sobald "die Normalität wiederhergestellt ist", hieß es. Die Militärs hatten kurz nach der Machtübernahme erklärt, sie wollten innerhalb von zwei Wochen einen neuen Regierungschef einsetzen, nach einem Jahr solle es Neuwahlen geben. (tso/AFP)

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