Politik : Radikal fragen, gemeinsam antworten

Was Attac, Greenpeace und Grüne in der Globalisierungsdebatte eint

Dagmar Dehmer

Politische Freunde sind sie nicht gerade. Eher schon Konkurrenten. Dennoch haben sich das globalisierungskritische Netzwerk Attac, die Umweltorganisation Greenpeace und die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung zusammengetan. Gemeinsam veranstalten sie am Wochenende einen Kongress über die Folgen der Globalisierung für die Umwelt. An diesem Freitag beginnt bei „McPlanet.com“ die Debatte darüber, ob die Erde tatsächlich unter die Räder der Freihändler gekommen ist. Auf der Tagesordnung stehen gentechnisch veränderte Organismen und der Streit zwischen Europa und den USA darüber. Es geht um soziale und ökologische Mindeststandards für die Welthandelsorganisation (WTO) und die Frage, ob es für Entwicklungsländer besser ist, ihre eigenen Märkte zu schützen oder Zugang zu den Märkten der Industrieländer zu bekommen.

Umstritten dürfte dabei die Rolle der WTO an sich sein. Attac und Greenpeace würden die Welthandelsorganisation am liebsten abschaffen. Barbara Kammradt von Greenpeace schränkt ein: „Wir sagen nicht, dass man darauf verzichten kann, den internationalen Handel zu regeln.“ Allerdings müsse dies „fair und nachhaltig“ geschehen.

Für alle drei Veranstalter ist der Kongress auch der Versuch einer Annäherung. Am deutlichsten formuliert das Markus Steigenberger von Attac: „Strategisch ist es für uns sehr interessant, uns mit der internationalen Umweltbewegung zu verbünden.“ Schließlich sei es das Ziel der Globalisierungskritiker, „ein breites gesellschaftliches Bündnis gegen die neoliberale Globalisierung zu schmieden“. Die Umweltbewegung verfüge über die Erfahrung von 30 Jahren, habe aber „etwas an Dampf verloren“, sagt Steigenberger. Attac dagegen habe wenig Erfahrung, verfüge aber über eine große Mobilisierungsfähigkeit und „stellt radikale Fragen“.

Greenpeace sieht sich auch selbst als Teil der globalisierungskritischen Bewegung. Kammradt ist es aber wichtig, das Umweltthema ernster zu nehmen. Darum geht es auch Barbara Unmüßig, Chefin der Heinrich-Böll-Stiftung. Attac beschäftige sich ausführlich mit den wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Globalisierung, sagt sie. Doch die ökologischen Effekte kämen zu kurz. Außerdem zielten viele Forderungen von Attac auf Umverteilung von Reichtum mittels mehr Wachstum. „Uns interessiert auch: Wie wachstumskritisch ist Attac?“

Informationen im Internet: www.mcplanet.com

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