Politik : Raps ist nicht gleich Raps

Kanadische Bio-Bauern ziehen gegen Bayer und Monsanto zu Felde

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Von Dagmar Dehmer

Marc Loiselle ärgert sich immer noch. Vor einem guten Jahr hatte sein Öko-Bauern-Verband im kanadischen Saskatchewan eine Anfrage aus Südkorea. Es ging um Saatgut für Öko-Raps. „Die waren wirklich sehr interessiert“, sagt Loiselle. Doch er und seine rund 1000 Kollegen mussten absagen.

„Es gibt kein Saatgut mehr, das nicht gentechnisch verunreinigt ist“, weiß Hart Haidn, der das Kanadische Zentrum für nachhaltige Landwirtschaft gegründet hat. Seit 1996 wird gentechnisch veränderter Raps in Kanada kommerziell angebaut. Und inzwischen könne kein Landwirt mehr garantieren, dass seine Pflanzen gentechnikfrei seien – egal was er angebaut hat, beklagt Loiselle. Denn die gegen die Unkrautvertilger Liberty und Roundup von Bayer (früher Aventis) und Monsanto unempfindlich gemachten Rapssorten kreuzen durch Pollenflug aus und verändern auf diese Weise auch konventionellen oder Öko-Raps, der in der selben Region gepflanzt wird.

In Saskatchewan, der Kornkammer Kanadas, ist bereits die Hälfte des angebauten Rapses gentechnisch verändert. Deshalb hat Marc Loiselle seit 1996 keinen Raps mehr gepflanzt. Er kann ihn nicht verkaufen, wenn Spuren gentechnischer Veränderungen nachgewiesen werden. Damit fällt Raps aber auch als Teil seiner Fruchtfolge auf den Feldern aus, obwohl er traditionell dazu diente, die Bodenqualität zu verbessern, bevor wieder Weizen angebaut wird. Loiselle und seine Kollegen fühlen sich also gleich doppelt betrogen. Deshalb unterstützen er und Haidn zwei Bio-Bauern aus Saskatchewan, die im Januar stellvertretend für sie alle eine Verbandsklage gegen Bayer und Monsanto eingereicht haben.

Die kanadischen Öko-Bauern wollen zweierlei erreichen. Sie wollen verhindern, dass ein gentechnisch veränderter Weizen der Firma Monsanto von 2004 an in Kanada kommerziell angebaut werden darf. Denn wenn auch der Gen-Weizen auskreuzt, verlieren die Bio-Bauern in Saskatchewan ihre Existenz. Für Marc Loiselle ist Weizen die wichtigste Einkommensqelle. Rund ein Drittel seiner Einnahmen erzielt er mit Bio-Weizen. Das zweite Ziel der Klage ist ein zehnjähriges Moratorium für den Anbau von gentechnisch verändertem Raps. Hart Haidn sagt, das Land müsse „dekontaminiert“ werden. Loiselle will wieder Öko-Raps anbauen können, und das sei unmöglich, solange der Gen-Raps sich unkontrolliert ausbreite. Zudem verlangen die Bauern Schadenersatz für die entgangenen Gewinne. „Uns ist der Zugang zum Markt versperrt“, sagt Loiselle.

Gut möglich, dass die kanadischen Bio-Bauern in Deutschland Unterstützung finden. Denn die deutschen Landwirte lehnen in ihrer überwältigenden Mehrheit die Einführung von gentechnisch veränderten Pflanzen ab. Die Hildesheimer Wickert-Institute haben im Auftrag von Greenpeace vom 12. Juni bis 4. Juli 1031 Bauern nach ihrer Meinung zu Gen-Pflanzen befragt. 70 Prozent lehnen den Anbau ab. Lediglich 17 Prozent der Bauern ziehen die Aussaat von gentechnisch veränderten Pflanzen in Betracht. 72 Prozent würden gentechnisch veränderte Futtermittel nicht kaufen, wenn es eine Kennzeichnung dafür gäbe, und genau so viele wollen wissen, wenn ihre Nachbarn gentechnisch veränderte Saaten ausbringen.

Weitere Informationen über die Klage der kanadischen Bio-Bauern gibt es im Internet unter: www.saskorganic.com .

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