Rassismus : Protest in USA gegen Rassenjustiz

Nach einer Schulhofprügelei sollen sechs schwarze Schüler in den USA für viele Jahre ins Gefängnis. 50 Jahre nach Ende der Rassentrennung ist diese noch lange nicht in allen Köpfen angekommen.

Christoph von Marschall

WashingtonTausende US-Bürger und demokratische Spitzenpolitiker sind am Donnerstag nach Jena in Nord-Louisiana gereist, um Solidarität mit den „Jena 6“ zu zeigen: Sechs schwarzen Schülern, denen langjährige Gefängnisstrafen wegen einer Schulhofprügelei drohen. Für schwarze Bürgerrechtler wie Jesse Jackson und Al Sharpton ist der Fall ein Beweis für den anhaltenden Rassismus in den Südstaaten. Die Kontroverse fällt zusammen mit dem 50. Jahrestag des Endes der Rassentrennung in Arkansas. 1957 musste Präsident Eisenhower Soldaten schicken, um schwarze Schüler auf dem Weg in die zuvor rein weiße Central High School in Little Rock zu schützen.

In Jena, 3000 Einwohner, davon etwa 500 Schwarze, bleiben die Gruppen im Zweifel unter sich. In der High School saßen die Weißen in den Pausen unter einem Baum mit ausladender Krone, dem „White Tree“, die Schwarzen in einer anderen Ecke. Im Sommer 2006 fragte eine Schwarze in einer Schulversammlung den Direktor, ob auch sie unter dem „Weißen Baum“ sitzen dürfe. Selbstverständlich, antwortete der. Wenig später hingen zu Halsschlingen geknotete Seile an den Ästen. Drei weiße Provokateure wurden gefunden, der Direktor wollte sie der Schule verweisen, die von Weißen dominierte Aufsichtsbehörde überstimmte ihn, dies sei nur ein Dumme- Jungs-Streich. Die Spannungen verschärften sich, schwarze Schüler machten „Sit-ins“ unter dem „Weißen Baum“, es kam zu Prügeleien, die meisten blieben ungeahndet. Der Baum wurde entfernt.

Am 4. Dezember 2006 verhöhnte der Weiße Justin Barker (17) den Schwarzen Robert Bailey (16), dass er sich wenige Tage zuvor habe von Weißen vermöbeln lassen. Bailey und fünf Freunde schlugen Barker nieder, traten auf ihn ein. Barker wurde bewusstlos und mit zugeschwollenem Auge ins Krankenhaus gebracht, erschien aber am Abend zu einer Schulveranstaltung. Die „Jena 6“ wurden wegen Mordversuchs angeklagt, nicht wegen Körperverletzung, und einer von ihnen verurteilt, wobei die weiße Jury seine Sportschuhe als „gefährliche Waffe“ bewertete. Unter öffentlichem Druck wurden sein Urteil und die Anklagen der anderen fünf revidiert. Amerika wartet auf den Ausgang.

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