Rastloser Umweltminister : Peter Altmaier: Der Nahbare

Sechs Wochen ist er erst im Amt, und schon kann er eine stolze Bilanz vorweisen. Umweltminister Altmaier ist ein Blitzstart geglückt. Seine Methode: zuhören, reden, zuhören. Und unermüdlich Beziehungen knüpfen.

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Auf Überzeugungstour. Peter Altmaier mit dem hessischen Ministerpräsidenten Bouffier und Landesumweltministerin Puttrich auf der Rhein-Main Deponie.
Auf Überzeugungstour. Peter Altmaier mit dem hessischen Ministerpräsidenten Bouffier und Landesumweltministerin Puttrich auf der...Foto: dpa

Peter Altmaier ist gute sieben Stunden unterwegs, als er sich im Bordbistro des ICE von Hannover nach Frankfurt am Main ein Gähnen genehmigt. „Ich leg mich jetzt gleich auf den Boden“, kündigt er an und lässt es dann doch lieber.

Der Bundesumweltminister absolvierte am Dienstag seine Antrittsbesuche in Niedersachsen und in Hessen. Um 5 Uhr 38 hat die Tour am Berliner Hauptbahnhof begonnen. Nun tritt er die zweite Etappe an. Altmaier seufzt und sagt: „Meine Wohnung ist unordentlich. Ich werde eine Nachtschicht einlegen müssen.“ Denn einen Tag später will er dort die Landesumweltminister zu Wein und Bier empfangen, „um sie besser kennenzulernen“. Altmaiers Charlottenburger Wohnung ist so etwas wie seine schärfste politische Waffe.

Bis vor sechs Wochen stellte sich der 58-jährige Saarländer häufig in seine Küche, um die Laune der Gäste zu heben und sie umzustimmen. Oft waren das widerspenstige Mitglieder der CDU-CSU-Fraktion, deren politischer Geschäftsführer er bis vor kurzem gewesen ist. Doch seit sechs Wochen hat Peter Altmaier keine Zeit mehr, um zu kochen. Seither ist er Umweltminister und legt ein Tempo vor, das mittlerweile an ihm zu zehren beginnt. „Ich habe ewig nicht mehr richtig ausgeschlafen“, sagt er und grinst dabei.

Dabei hat er keinen Witz gemacht, sondern gerade gestanden, dass er vor ein paar Tagen weit unter seinen eigenen Ansprüchen an sich selbst bleiben musste. Kürzlich hatte er zwei seiner Vorgänger im Amt, den grünen Fraktionsvorsitzenden Jürgen Trittin und den SPD-Chef Sigmar Gabriel, eingeladen, um einen Kompromiss für das seit Monaten diskutierte Endlagersuchgesetz auszuloten. Statt Cuisine à la Altmaier aber gab es „Wraps von Butter-Lindner“. Altmaier murmelt „schrecklich“. Und es ist unklar, ob er das Essen oder das offenbar nicht hinreichende Ergebnis des Gesprächs meint. Denn der entscheidende Termin mit den Ministerpräsidenten der Länder hat nun doch nicht schon am Mittwoch stattgefunden, wie er sich das vorgestellt hatte.

Peter Altmaier ist ein Beziehungspolitiker. Nichts ist ihm wichtiger als Kommunikation. Er redet, twittert, hört zu. Er ist überzeugt, dass die Basis für Kompromisse in der Politik auf der persönlichen Ebene gelegt wird. Deshalb ist er seit sechs Wochen unermüdlich dabei, Leute kennenzulernen und die, die er schon seit Jahren oder Jahrzehnten kennt, in seiner neuen Funktion zu besuchen.

An diesem Tag ist das zunächst der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister von der CDU, der Altmaier höchstpersönlich mit einer Tüte Gebäck und ohne Schlips vom Bahnhof abholt. Altmaier besucht die Eon-Netzwarte in Lehrte und dann das Kabinett in Hannover. Die Pressekonferenz von McAllister, seinem Umweltminister Stefan Birkner und Altmaier findet im Foyer des Gästehauses der niedersächsischen Landesregierung statt. Die Villa ist prachtvoll, Holz, Marmor, dicker Teppichboden.

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