Politik : Rauchzeichen aus dem Vatikan

Martin Gehlen

Rom - Die 115 Kardinäle des Konklaves haben sich auch am Vormittag des zweiten Wahltags noch nicht auf einen neuen Papst einigen können. Zum Zeichen, dass auch der zweite und dritte Wahlgang am Dienstag nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit brachten, stieg gegen 11 Uhr 50 schwarzer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle. Zwei weitere Abstimmungen waren für den Nachmittag ab 16 Uhr vorgesehen. Sollte es dann wieder keine Entscheidung gegebben haben, wird an diesem Mittwoch ein neuer Wahlgang gestartet.

Bereits am Montagabend hatte ein erster Wahlgang keine Einigung gebracht. Am Dienstagmorgen hatten die Purpurträger zunächst eine Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses St. Martha gefeiert, wo sie während der Zeit des Konklaves zusammen wohnen. Danach schlossen sich die ranghöchsten Würdenträger der katholischen Kirche erneut in der Sixtinischen Kapelle ein.

Das Scheitern in den ersten Wahlgängen ist nichts Ungewöhnliches, da es zunächst einmal darum geht, die Kräfteverhältnisse im Kardinalskollegium offen zu legen. Denn die aus 52 Ländern nach Rom gereisten Kardinäle repräsentieren ein beträchtliches theologisches und kirchenpolitisches Spektrum. Die Wahl gilt daher als völlig offen. Nach italienischen Medienberichten steht nach wie vor der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger im Mittelpunkt. Hinter ihm stünden zwischen 40 und 60 Kardinäle, hieß es. Die notwendige Zweidrittelmehrheit beträgt jedoch 77 Stimmen. Sein liberaler Gegenspieler soll der ehemalige Mailänder Erzbischof Carlo Maria Martini sein, wie Ratzinger ebenfalls 78 Jahre alt. Martini könnte versuchen, einen Kandidaten aus Lateinamerika oder Afrika durchzusetzen. Er hatte mit Hinweis auf sein Alter darum gebeten, nicht gewählt zu werden.

Kein Konklave des vergangenen Jahrhunderts hat länger als fünf Tage gedauert. Der verstorbene Johannes Paul II. benötigte im Oktober 1978 acht Wahlgänge in drei Tagen.

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