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Reaktionen auf de Maizière : CSU ist entsetzt über Vorschlag zu muslimischem Feiertag

Muslimische Feiertage in Deutschland? Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken zeigt sich offen für den Vorstoß von Innenminister de Maizière. Andere nicht.

Der Generalsekretär der CSU Andreas Scheuer.
Der Generalsekretär der CSU Andreas Scheuer.Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) erhält Rückendeckung für seinen Vorstoß zu muslimischen Feiertagen in Deutschland. „In einer multireligiösen Gesellschaft kann in Gegenden mit hohem Anteil an frommen Muslimen ein islamischer Feiertag hinzukommen, ohne dass die christliche Tradition unseres Landes verraten würde“, sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, der „Passauer Neuen Presse“. Wo es einen nennenswerten Anteil an Muslimen gebe, sollte man auch deren Festkultur zur Kenntnis nehmen.
Der Festkalender sei „weder museal noch eine bloße Abfolge arbeitsfreier Tage, sondern Zeichen des Reichtums europäischer Traditionen“, so Sternberg weiter. Christliche Feiertage würden weniger durch eine Einführung eines muslimischen Feiertages gefährdet, sondern dadurch, dass immer weniger Menschen etwas mit diesen Tagen anfangen könnten. Es sei daher Aufgabe der Kirchen, aber auch der Bildungseinrichtungen und Medien, über den Inhalt christlicher Feste zu informieren.

Die Äußerungen stießen bei der CSU auf scharfe Kritik. „Ich bin tief bestürzt, ja fassungslos, dass sich jetzt auch noch die Spitze des Zentralkomitees der Katholiken für einen Islam-Feiertag ausspricht“, sagte Generalsekretär Andreas Scheuer. Er kündigte an, dass es mit der CSU keinen solchen Feiertag in Deutschland geben werde. Auch CSU-Chef Horst Seehofer hatte sich am Montag kritisch zu dem Vorschlag de Maizières geäußert.

Scheuer: "Wir geben unsere Identität nicht auf"

„Ich bin Katholik, und ich bin mir felsenfest sicher, dass dies nicht die Meinung der überwältigenden Mehrheit der Christen in Deutschland ist“, betonte Scheuer. Deutschland sei christlich geprägt und deshalb gebe es christliche Feiertage, „das ist unsere Leitkultur, die wir bewahren müssen. Wir geben unsere Identität nicht auf.“

Sieben von zehn Befragten (70,1 Prozent) sprachen sich in einer von der "Bild"-Zeitung in Auftrag gegebenen Umfrage ebenfalls gegen muslimische Feiertage aus. Nur jeder 13. Bundesbürger (7,8 Prozent) befürwortete eine gesetzliche Einführung, wie die Umfrage des Instituts Insa ergab. Insa hat vom 13. bis zum 16. Oktober 2011 Bürger befragt.

De Maiziere hatte sich kürzlich auf einer Wahlkampfveranstaltung offen dafür gezeigt, in bestimmten Regionen Deutschlands muslimische Feiertage einzuführen. Aus den Reihen der Union war er dafür kritisiert worden. SPD-Parteichef Martin Schulz zeigte sich offen. Bei Vertretern der Muslime stieß der Vorschlag auf geteiltes Echo. Die Islamlehrerin Lamya Kaddor sprach von „Symbolpolitik“; der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sagte dagegen, ein muslimischer Feiertag könne integrationsfördernd wirken.

Die Anzahl der Feiertage variiert in Deutschland je nach Bundesland. Neun Feiertage gelten in allen Bundesländern einheitlich: Neujahrstag (1. Januar), Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Tag der Arbeit (1. Mai), Tag der deutschen Einheit (3. Oktober) sowie der erste und zweite Weihnachtsfeiertag (25. und 26. Dezember). Nur der 3. Oktober, der Tag der deutschen Einheit, geht auf ein Bundesgesetz zurück. (KNA, epd, mis)

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